Signal für nachlassende Industrie-Dynamik
US-Auftragseingänge besorgen Analysten

Der Auftragseingang für langlebige Güter in den USA ist im August überraschend zurückgegangen. Hauptgrund war ein drastischer Rückgang der Zivilflugzeug-Nachfrage. Bankvolkswirte werten die neuen Daten als Signal für eine nachlassende Dynamik der US-Industrie.

HB WASHINGTON/FRANKFURT. „Zwei aufeinander folgende Rückgänge bei den Auftragseingängen für langlebige Güter werfen kein positives Licht auf die Wirtschaftslage in den USA“, kommentierte am Mittwoch Tobias Basse von der Nord LB. Fabienne Riefer von Postbank Research meinte, die aktuellen Order-Zahlen hinterließen den Eindruck, „dass auch die Industrie jetzt ein langsameres Expansionstempo einschlägt“.

Das Volumen der Neuaufträge für Gebrauchsgüter mit einer Nutzungszeit von mindestens drei Jahren fiel nach Angaben des Handelsministeriums vom Mittwoch um 0,5 Prozent. Analysten hatten in der für starke Schwankungen bekannten Datenreihe im Schnitt ein Plus von 0,5 Prozent erwartet. Gleichzeitig revidierte das Ministerium die Entwicklung für den Juli auf minus 2,7 Prozent von zuvor minus 2,5 Prozent nach unten. Damit fielen die Auftragseingänge erstmals sei April/Mai 2004 wieder in zwei aufeinander folgenden Monaten. Für den Ordereingang ohne den Transportbereich wurde zudem für August ein Minus von 2,0 Prozent gemeldet, nachdem im Juli eine Stagnation verzeichnet worden war. Analysten hatten hier ebenfalls einen Anstieg um 0,5 Prozent prognostiziert.

Die Aufträge für Zivilflugzeuge brachen im August um 21,9 Prozent ein, die Bestellungen für Autos und Autoteile stiegen dagegen um 4,4 Prozent. Auch die Aufträge für Militärflugzeuge kletterten um knapp zehn Prozent.

Nord LB-Volkswirt Basse verwies darauf, dass die Daten eine zunehmend schwindende Investitionsbereitschaft der US-Unternehmen anzeigen würden. Dieses Signal sei zuletzt auch aus Angaben zum regionalen Stimmungsindikator der Federal Reserve Bank of Philadelphia, der in den negativen Bereich fiel, abzuleiten gewesen. Grundsätzlich zeigen die neuen Zahlen nach Einschätzung von Basse, dass die Dynamik des US-Wirtschaftswachstums weiter abnimmt. Auch dienten sie zur Bestätigung der These, dass die US-Notenbank keine weiteren Zinserhöhungen mehr plant.

Nach Auffassung von Postbank-Ökonomin Riefer dürfte der zuletzt noch aufwärts gerichtete Trend bei den Auftragseingängen nunmehr zum Stillstand gekommen sein. „Diese Entwicklung entspricht denn auch eher der Verlangsamung, die die Auftragskomponente aus der Einkaufsmanagerbefragung innerhalb des verarbeitenden Gewerbes seit einigen Monaten zeigt“, erklärte Riefer.

Durchaus Positives konnte Commerzbank-Volkswirt Patrick Franke den Daten zum Auftragseingang abgewinnen. „Ohne die volatile Komponente der Flugzeugbestellungen hält die Aufwärtstendenz an“, kommentierte Francke die separaten Daten zum Auftragseingang für zivile Investitionsgüter. Zwar fielen auch hier die entsprechenden Orders (um 0,3 Proztent), doch lagen die Auslieferungen dieser Kategorie im Juli und August Francke zufolge um annualisiert 6,3 Prozent über dem Durchschnitt des zweiten Quartals. „Dies stützt unsere Erwartung eines deutlichen Zuwachses der realen Investitionen im dritten Quartal“, sagte der Volkswirt.

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