Solide Haushaltspolitik
Experten sehen Deutschland als US-Krisen-Profiteur

Deutschland profitiert nach Einschätzung von Beratern von Finanzminister Schäuble von den wachsenden Zweifeln an der Kreditwürdigkeit der USA. Andere EU-Staaten könnte die US-Schuldenkrise dagegen hart treffen.
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Berlin/Düsseldorf"Deutschland ist der Gewinner, weil es eine Stabilitätsdividende bekommt", sagte das Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesfinanzministeriums, Clemens Fuest. "Die Zinskosten werden dadurch gedrückt." Deutschland schiebt einen Schuldenberg von 2000 Milliarden Euro vor sich her. Jeder Prozentpunkt weniger an Zinsen bedeute 20 Milliarden Euro weniger Ausgaben pro Jahr, sagte Fuest.

Nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) genießt Deutschland aus dem Blickwinkel der Finanzmärkte den Status eines sicheren Hafens. "Die großen Fonds müssen überlegen, wo sie ihr Geld anlegen", sagte IfW-Konjunkturchef Joachim Scheide. "Wenn es zunehmend unsicher wird, sein Geld in den USA anzulegen, dann sucht man sich Alternativen - und da gehört Deutschland zu den ersten Kandidaten." Je größer die Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen ist, desto weniger Zinsen muss der Staat an Investoren zahlen.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte den USA am Montag mit dem Verlust der Bestnote "AAA" für ihre Staatsanleihen gedroht. Die Zinsen für zehnjährige deutsche Rentenpapiere fielen daraufhin bis auf 3,232 Prozent, nachdem sie zu Handelsbeginn noch nahe 3,4 Prozent gelegen hatte. Vor allem große Fondanbieter müssen einen großen Teil ihres Geldes in als nahezu ausfallsicher geltende Staatsanleihen mit einem "AAA"-Rating stecken. Deutschland ist der größte Anleihenemittent in Europa: Allein der Bund plant in diesem Jahr Emissionen in Höhe von 302 Milliarden Euro.

Alle Ratingagenturen bewerten Deutschland mit der Bestnote. Der Ausblick ist stabil, womit kurzfristig auch keine Herabstufungen drohen. "Zwar ist auch bei uns die Verschuldung nicht problemlos angesichts einer Schuldenquote von mehr als 80 Prozent", sagte Scheide. "Doch im Unterschied zu anderen Ländern haben wir die Schuldenbremse, die zum Defizitabbau zwingt. Die USA haben nichts unternommen - dass da die Ratingagenturen und Märkte nervös werden, kann ich gut verstehen."

Allerdings sei es auch im deutschen Interesse, wenn die USA eine Schuldenkrise vermeiden können, sagte der in Oxford lehrende Fuest. "Die Deutschen haben auch viel Geld in den USA angelegt", sagte der Wissenschaftler. "Und es gibt ein allgemeines Interesse, das die Stabilität an den Finanzmärkten erhalten wird." Wie schnell Deutschland unter die Räder kommen könne, habe die jüngste Finanzkrise gezeigt.

Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) könnte die negative US-Prognose die Schuldenkrise in Europa verschärfen. Zwar seien wegen der gestiegenen Nervosität an den Kapitalmärkten die ausfallbedrohten europäischen Staatsanleihen erneut unter Druck geraten, und auch der Euro habe kurzfristig schwächer notiert, sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner Handelsblatt Online. "Dies dürfte sich mittelfristig aber umkehren." So habe sich die US-Notenbank nicht gegen eine Monetarisierung der Staatsverschuldung durch eine etwas höhere Inflationsrate ausgesprochen, wie die angedeutete Verlängerung der liquiditätsbereitstellenden Maßnahmen zeige. "Eine Abwertung des US-Dollar ist so wohl unausweichlich", ist sich Fichtner sicher. "Für die ohnehin mit niedriger internationaler Wettbewerbsfähigkeit kämpfenden südeuropäischen Volkswirtschaften wäre die damit einhergehende Stärkung des Euro eine weitere Belastung. So könnte die angedrohte Herabstufung der US-Bonität tatsächlich eine Verschärfung der Schuldenkrise im Euroraum provozieren."

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  • Leute,

    das ganze Gepläre hat nur den Sinn, daß so wenige wie möglich beim nächsten Crash in den Dollar gehen.

    Wenn eins diesem Pack klar ist, dann dies daß sie sich nicht weiter in den Dollar verschulden können. Deshalb versucht es händeringend die Leute davon abzuhalten (beim nächsten Crash) in den Dollar zu gehen.

    Denn jeder existierende Dollar der ins Ausland wandert, entzieht den USA Kaufkraft im Heimatland. Denn die FED muß immer damit rechnen, daß diese wieder zurück gereicht werden (Dollarcrash).

    Das oberste Ziel daß diese Betrüger haben ist nunmehr die Dollarmenge im Zaum zu halten. Jeder esxistierende Dollar entzieht den einheimischen Dollars Kaufkraft und macht sie für die Einheimischen unbezahlbarer. Und das versucht sie um jeden Preis zu verhindern, auch um den Preis des Rufes und einer Bonitätsabstufung.


    WER DOLLARGLÄUBIGER (DOLLARBESITZER) WIRD, TRÄGT EIN STÜCK ZU DESSEM ENDE BEI !!!!!
    DENN NICHTS ANDERES BETREIBEN GERADE DIE CHINESEN.

    Wer das Gegenteil macht, fördert ihn und wird diese Probleme noch ein paar Jahrzehnte mehr ertragen müssen.

  • @ Aruba wie kommen sie zu dieser fatalen Fehleinschätzung ? Nach Adam Ries sind 2 Billionen Sculden 880 Jahre tilgen. Denke Sie verstehen was von Geld bitte sehr genau schauen, Eportnation DE geht sehr schnell nach unten wenn der importeur nur mit Schulden bezahlt.

  • Guten Tag,.... Freunde seht euch mal bei euern Nachbarn um;.... dann koennt Ihr von Glueck reden in Deutschland zu sein. Ich gebe zu dass " Keine Regierung " sogar noch besser waere als Frau Teflon und Frau Westerwelle..... aber Ihr seid das Volk !..... Und ehe Ihr untergeht wird manch anderer schon lange bei sen Fischen sein. Also macht mal halblang,... denn so schlecht steht Ihr weiss Gott nicht da. Besten Dank

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