Sorgenkind Arbeitsmarkt
Rote Laterne bleibt in Deutschland

Der Standort Deutschland hat in den vergangenen sechs Monaten keine Fortschritte gemacht - im Gegenteil: Im Vergleich zum Herbst ging es noch weiter nach unten. Für die Zukunft verspricht das neue internationale Ranking der Bertelsmann-Stiftung jedoch eine Verbesserung.

DÜSSELDORF. Den Spitzenrang in dem Ranking nimmt weiterhin Irland ein, gefolgt von den USA und Norwegen. Der so genannte Standort-Check Deutschland schreibt die Ergebnisse eines Rankings fort, in dem die Stiftung im Herbst 2004 die Entwicklung der 21 wichtigsten Industrienationen in den Bereichen Wachstum und Beschäftigung anhand von OECD-Zahlen verglichen und bewertet hat. Der Standort D hält – wie auch in den beiden Vorjahren – weiterhin die rote Laterne. Im Vergleich zum letzten Check im Herbst 2005 verschlechterte sich der aktuelle Indexwert sogar nochmals.

Damit kommt die Studie zu einem deutlich pessimistischeren Ergebnis als andere Umfragen oder Studien. So beurteilte beispielsweise mehr als die Hälfte der rund 800 regelmäßig für den Handelsblatt Business-Monitor befragten Top-Manager das hiesige Standortklima Anfang dieses Monats als „gut“ oder „eher gut“. Und in einer Studie des World Economic Forum (WEF), in der jährlich die Wettbewerbsfähigkeit von Volkswirtschaften verglichen wird, belegte Deutschland im Herbst des vergangenen Jahres wie auch schon 2004 Rang sechs unter 117 Staaten.

Die WEF-Studie ist deutlich breiter angelegt als die der Bertelsmann-Stiftung: Während der Standort-Check allein auf die Entwicklung des Wachstums- und Arbeitsmarktes abzielt, berücksichtigt der WEF-Index unter anderem die Qualität der öffentlichen Infrastruktur, des Humankapitals und die Effizienz der Finanzmärkte. Pluspunkte in der WEF-Studie sammelte Deutschland vor allem mit der hohen Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Bemängelt wurden dagegen komplizierte Steuergesetze und hemmende Arbeitsregeln.

Hauptverantwortlich für die erneute Verschlechterung im Standort-Check der Bertelsmann-Stiftung ist den Autoren zufolge vor allem die ungünstige Entwicklung des Erwerbstätigenzuwachses. In Deutschland falle er mit 0,7 Prozent geringer aus als im Durchschnitt der restlichen betrachteten Industrienationen (1,1 Prozent). Auch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf habe sich weiter vom Mittelwert der anderen Länder entfernt. Und die Arbeitslosenquote, die ebenfalls in den so genannten Erfolgsindex einfließt, fällt in der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone besonders hoch aus: Sie liegt, nach der OECD-Methodik standardisiert, hier zu Lande bei 9,3 Prozent und damit drei Punkte über dem Durchschnitt. Noch höher ist sie nur in Frankreich mit 9,4 Prozent sowie in Griechenland mit 10,1 Prozent.

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