Standortvergleich
Energiewende bedroht Deutschlands Aufstieg

Als attraktiver Standort für Industriekonzerne hat Deutschland international kräftig aufgeholt. Neben traditionellen Stärken gibt es aber auch einige lange bekannte dunkle Flecken - und ein paar ganz neue Risiken.
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DüsseldorfAuf den ersten Blick fällt das Bild fast rosarot aus, dass das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vom Wirtschaftsstandort Deutschland zeichnet. Im Ranking der besten Industriestandorte habe die Bundesrepublik kräftig aufgeholt und ist von der 14. auf die fünfte Stelle weltweit geklettert. Doch im Detail sieht das Bild etwas anders aus.

Tatsächlich hat Deutschland sich in vielen Punkten verbessert, zeigt die Studie des arbeitgebernahen Instituts im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums auf. Die Bundesrepublik liegt nun vor Ländern wie Irland und den Niederlanden, die bislang als beliebte Standorte für die Zentralen globaler Konzerne galten. Zu den Stärken Deutschlands gehören laut IW "die ausgebaute Infrastruktur, die gute Bildung der Bevölkerung und der zuverlässige Ordnungsrahmen", teilte das IW mit. Das sind bekannte Faktoren, die die Bundesregierung seit Jahrzehnten propagiert und Basis des Erfolgs von "Made in Germany" waren.

Auch die Schwächen, die das IW nennt, sind aus den Klagen der Industrie bekannt: hohe Arbeitskosten, der mangelnde Fachkräftenachwuchs, die demografische Entwicklung und eine relativ hohe Steuerbelastung. Dennoch sei es Deutschland gelungen, vom 14 Rang (1995) auf dem fünften Platz der besten Industriestandorte der Welt zu klettern.

Allerdings: die Daten beziehen sich auf das Jahr 2010 - und sind damit nicht mehr völlig frisch. Denn seither ist nicht nur die Euro-Krise ausgebrochen, sondern auch eine Energiewende über Deutschland hinweg gefegt. Die relativ vorteilhaften Standortbedingungen, so das Institut, seien immerhin die Grundlage für eine starke, exportorientierte Industrie - die wiederum dafür gesorgt hat, dass Deutschlands Konjunktur nicht unter dem Druck der Euro-Krise in die Knie gegangen ist.

Kritischer sieht es jedoch bei den Auswirkungen des Atomausstiegs nach dem Reaktorunglück im japanischen Fukushima aus. Denn die "stabile Versorgung mit Energie und Rohstoffen" zählt das IW zu den Stärken Deutschlands - und die ist plötzlich zu einem Wackelfaktor geworden. Die stabile Versorgung mit Strom aber stufen laut IW fast alle Industrieunternehmen als "nahezu unverzichtbar" ein. Bereits jetzt beurteilten die Unternehmen die Strompreise im internationalen Vergleich als zu hoch.

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Amerika bleibt unangefochten Spitzenreiter

Kommentare zu " Standortvergleich: Energiewende bedroht Deutschlands Aufstieg"

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  • Ich glaube, auch Sie bedrohen ganz Deutschland!

  • Mit Verlaub gesagt zweifel ich ob die hier dargestellten Klagen der Industrie stimmen können. Die Alternative dazu ist, dass der Fachkräftemangel beim IW schon deutlich zu spüren ist.

    Während die Stückgutkosten durch die Agenda 2010 massiv in den Keller gegangen sind, bleiben selbstverständlich die Arbeitskosten zu hoch. Klar, besser wäre es, wenn jeder Arbeiter umsonst arbeiten würde oder dafür auch bezahlen müsste.

    Auch das Gegenüberstellen von hohen Arbeitskosten und mangelnden Fachkräftenachwuchs ist einzigartig.
    Ob diese Leute auch bei Mercedes am Tresen jammern
    warum 4 laufende Meter Mercedes soviel mehr kosten als
    4 laufende Meter Lada?
    Wenn ich nicht will, dass Leute für gute Arbeit gutes Geld bekommen, muss ich den mangelnden Fachkräftenachwuchs nicht beklagen.

    Selbstverständlich darf bei den guten Nachrichten über die Einnahmen aus dem Finanzministerium, nicht das Greinen der Industrie zu den Energiekosten fehlen.

    Warum hat Deutschland bei soviel Benachteiligung einen Industrieanteil von 23%.
    Italien aber nur 16%, Spanien 13% und Großbritannien und Frankreich nur 10%.

    Ich habe nichts gegen einen goldenen Herbst.
    Aber mehr noch wünsche ich, dass das Sommerloch mit der Dampfplauderei mal zu Ende geht!

  • @ HofmannM

    Ich stimme ja mit Ihnen überein, das die derzeitige "Vergewaltigung" der Natur durch die erneuerbaren Energien nicht weitergehen kann. ABER - das liegt eher an der Gesetzgebung, die keinerlei Gesetze enthält, die den Betreiber eine Kosten/Nutzen Analyse vorschreibt. Oder die die Flächen für Energiepflanzenanbau regelt ect. Windräder in Regionen zu stellen, wo sie Schaden anrichten können an der Umwelt ohne einen entsprechenden hohen Nutzen zu erbringen - da hab ich auch was dagegen. Genauso wie ich gegen den exzessiven Anbau an Energiepflanzen bin nur damit im Sprit 10% Bioethanol enthalten ist.
    Ich möchte aber auch mal darauf Hinweisen - erneuerbare Energien sind nicht die Zerstörer Nummer eins der Umwelt. Schauen Sie mal nach wieviele Quadratkilometer unwiederbringliche Natur jedes Jahr nur durch den Kohletagebau in Deutschland zerstört werden (auch Naturschutzgebiete). Diese Zahl ist weit höher als die Flächen für neue Windräder und Solaranlagen. ;-) Aber das nur mal so am Rande.

    Und dann möchte ich auch noch darauf verweisen - zu den erneuerbaren Energien zählen nicht nur Wind und Sonne^^
    Wasser, Geothermie ect. sollte man hier nicht vergessen. Und vorhandene Energien ausnutzen - was ist daran schlimm? (z.B. Energie aus ABFÄLLEN der Landwirtschaft, Nahrungsmittelproduktion ect. wofür die Biomassekraftwerke ja eigentlich mal entwickelt wurden).

    Sie verteufeln leider immer gleich alles anstatt ein wenig zu differenzieren ;-)

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