Stimmt es, dass...
die Bundesbank das ihr anvertraute Vermögen nicht verschenken darf?

Die Bundesbank beherbergt Gold- und Devisenreserven. Da es keinen Wechselkurs mehr gibt, ist ihr einziger Ertrag die „Vertrauensbildung“ der Bürger. Doch die beunruhigt das Volksvermögen bei der Bundesbank eher.
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FrankfurtDas hatte Bundesbankpräsident Jens Weidmann im Handelsblatt-Interview betont. Leser Martin Siegel von Stabilitas Fonds will dazu wissen: „1. Wer hat den Notenbanken Vermögen anvertraut? 2. Woraus besteht dieses Vermögen 3. Welche Gegenleistung erhalten diejenigen, die ihr Vermögen anvertraut haben?“ Er bezweifelt, dass Weidmann dazu eine Antwort habe.

Weidmanns Sprecher Michael Best kann die Fragen aus dem Stand beantworten: „Der Gesetzgeber hat der Bundesbank die deutschen Währungsreserven anvertraut. Diese bestehen aus Gold, Devisen und Sonderziehungsrechten. Die Gegenleistung ist Geldwertstabilität. Die Währungsreserven dienen dazu, das Vertrauen der Bürger in die Währung zu stärken.“ Alles klar?

In der Tat hat der Gesetzgeber die Verwaltung der Gold- und Devisenreserven der Bundesbank bei ihrer Gründung 1957 anvertraut. Sie waren damals bei weitem nicht so hoch wie heute und stiegen kräftig an, weil die Bundesbank im Rahmen des Festkurssystems, das bis in die 1970er-Jahre bestand, einen festen Wechselkurs zum Dollar verteidigen musste. Immer, wenn die D-Mark unter Aufwertungsdruck stand, musste sie Dollar oder Gold kaufen und dafür zusätzliche D-Mark in Umlauf bringen.

Ende 2010 betrug der Wert von Gold und Devisen in der Bundesbank-Bilanz 162 Milliarden Euro. Einen währungspolitischen Zweck erfüllen sie kaum noch, da kein Wechselkurs zu verteidigen ist. Es gibt Notenbanken ohne nennenswerte Gold- und Devisenreserven, die damit gut zurechtkommen. Die laufenden Erträge dieses Vermögens sind gering, aber immerhin war die Wertsteigerung bei Gold beträchtlich. Die Bundesbank zeigt jedoch keine Neigung, diese Aufwertungsgewinne jemals auszuschütten.

Der einzige Ertrag der Goldreserven scheint tatsächlich „Vertrauensbildung“ zu sein. Viele Deutsche beunruhigt allerdings eher, dass das Volksvermögen für die Stabilität des Euro geradestehen soll.

Gold und Devisen sind aber zusammen weniger als ein Viertel des Bundesbankvermögens. Der Rest entstand, lose gesprochen, dadurch, dass die Bundesbank Geld gedruckt und dafür Wertpapiere gekauft oder Ansprüche gegenüber Banken erworben hat. Durch Gelddrucken, ist sie auch zu den griechischen Anleihen gekommen, die sie und andere Euro-Notenbanken nach Meinung vieler Politiker und Banker jetzt zu ihren Einstandskosten wieder zurückgeben sollten, um Griechenland zu entschulden. Das bezeichnete Weidmann als „Verschenken von Vermögen“.

„Verschenken“ würde die Bundesbank dabei einen Teil ihres laufenden Geldschöpfungsgewinns. Man muss die Definition von „anvertrautes Vermögen“ weit fassen, damit der noch darunterfällt.


Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Stimmt es, dass...: die Bundesbank das ihr anvertraute Vermögen nicht verschenken darf?"

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  • Wie kann Martin Siegel es bezweifeln, die Buba hätte auf irgendetwas keine Antwort? Natürlich hat sie auf alles eine Antwort, wenn auch als vorgezogenes Rosenmontagsmärchenstatement.

  • Geldwertstabilität

    Die ECB ist zu einem pepetuum mobile geworden, an dem sich nun obgleich ungleichbehandlung die nationalen Notenbanken beteiligen sollen. Sie stellt sich vor den privaten Sekto
    der EZB-Investments schützen soll. Nach Tausch der Wertpapierkennummer wirt der nächste "kreative" Schritt sein, sich schützend vor die Hedgefonds zu stellen,die die EZB verklagen wollen. Welcher geldwerte Trick dazu abgewendet wirt,ist nicht schwer zu erraten. "An vertautes Vermögen" wird so amerikanisiert und das Roulette beginnt voom Neuem.Übrigens, das Gold der Bundesbank ist Wechselkurs abhängig, denn eine politische Sache zwischen China und den USA,sobals wir über die Abwertung sprechen. Das hatten Deutschland und auch Europa historisch bereits einmal.
    Merke: Die "Kreativität" der ECB kennt keine Grenzen.

  • Ich frage mich, warum diverse Berichte in den Medien eine drohende "Überschuldung" in der Bundesbank-Bilanz aufgreifen, weil eben zu einem bestimmten Zeitpunkt in der nahen Zukunft derlei Sicherheiten ausfallen könnten. Wenn diese Sicherheiten "lediglich" mit neu gedrucktem Geld bezahlt worden sind, wie Sie in Ihrem Artikel ausführen. Der für Die Bundesbank sehr nachteilige TARGET2-Saldo (Prof. Sinn) sowie Rettungsschirmgarantien könnten ergo auch mit neuem Geld bezahlt werden. Der Preis? Inflation (financial repression).

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