Stimmt es, dass...
...unser Steuerrecht den Export von Arbeitsplätzen fördert?

Die Eindämmung der Steuerverschiebung ließe sich vermeiden, wenn das Kapitalentgelt im Unternehmen besteuert würde. Eine Besteuerung an der Quelle hat viele Vorteile, weil die Finanzströme international sehr mobil sind.
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Das Ja zu dieser Frage in der Kolumne vom 8. März hat bei Steuerberatern und Finanzvorständen nicht nur Zustimmung erfahren. Die Zustimmung nahm mit zunehmender Unternehmensgröße ab. Zu Recht weisen Leser darauf hin, dass die Begriffe Betriebsstätte und Tochtergesellschaft sauberer zu trennen sind, als es in der Kolumne geschah, außerdem auf eine Vielzahl von Ad-hoc-Regeln und Gesetzen, mit denen der Fiskus versucht, die Verlagerung von Gewinnen oder anderen Steuertatbeständen ins Ausland zu unterbinden. Dazu gehören die vielkritisierte Zinsschranke, penible Prüfungen von Verrechnungspreisen und Lizenzgebühren, die Hinzurechnungsbesteuerung beziehungsweise der Nachweis von Mindestaktivitäten nach dem Außensteuergesetz und vieles mehr.

Diese Ad-hoc-Regeln sind für Steuerzahler und Steuerverwaltung aufwendig umzusetzen und produzieren aus Sicht der Steuerzahler willkürliche Einzelfallentscheidungen. Teilweise vermeiden sie nur Exzesse, wie etwa die Zinsschranke, oder sind für einen Teil der Betroffenen leicht zu umgehen, vor allem für Konzerne mit Sitz im Ausland.

Professor Günther Strunk vom Hamburger Institut für Familienunternehmen schreibt, dass es unstreitig möglich sei, die wirtschaftlichen Abläufe so zu gestalten, dass der Gewinn nicht in dem hochbesteuernden Staat entsteht. Der administrative Aufwand sei aber so groß, dass er sich bei mittelständischen Unternehmen nicht rechne. Aber: Auch Unternehmen, die gar keine Steuerverschiebung beabsichtigten, gerieten leicht in die Mühlen der Steuerprüfer und würden letztlich in zwei Ländern besteuert.

Viele der Ad-hoc-Regeln zur Eindämmung der Steuerverschiebung könnte man sich sparen, wenn man das Kapitalentgelt dort besteuern würde, wo es erwirtschaftet wird, nämlich im Unternehmen, so wie das beim Arbeitseinsatz über die Lohnsteuer geschieht. Das Kapitalentgelt ist zu ermitteln als Erlöse minus Arbeitsentgelt und minus Vorleistungen.

Für den Handwerksmeister mag es ein Problem sein, wenn er auch in schlechten Zeiten, in denen er keinen Gewinn macht, Steuern zahlen soll. Das könnte durch Freibeträge berücksichtigt werden. Aber ein großes Unternehmen wird ohnehin vom Kapitalmarkt nach dem erwirtschafteten Kapitalentgelt (dem EBIT) bewertet. Die Argumente, die bei Arbeitnehmern für eine Besteuerung an der Quelle sprechen, sprechen beim Kapitaleinsatz noch stärker dafür, weil Finanzströme international sehr mobil sind.

Es wäre kein Schaden, wenn die Unternehmen mit einer verstärkten Eigenkapitalfinanzierung reagieren würden. Schließlich arbeiten sehr viele Unternehmen aus steuerlichen Gründen mit weniger Eigenkapital, als ihnen im Krisenfall guttut.


Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

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