Stimmt es, dass...
Vereiteln griechische Gewerkschaften Kostensenkungen?

Wenn Griechenland nicht dazu bereits ist, wieder preislich wettbewerbsfähig zu werden, müsse es aus dem Euro austreten.
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DüsseldorfHans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts, stellt fest, dass von den Krisenländern nur Irland sein Preisniveau relativ zu dem des übrigen Euro-Raums gesenkt habe. Der starke Exportsektor habe hierauf gedrängt. In Griechenland stellten Importeure und Gewerkschaften ein Bollwerk gegen nötige Lohn- und Preissenkungen dar. Wenn das Land nicht bereit sei, wieder preislich wettbewerbsfähig zu werden, müsse es zeitweise aus dem Euro austreten.

Allein: Laut Statistik sind die durchschnittlichen Lohnkosten pro Stunde in Griechenland in den letzten zwei Jahren um 14 Prozent gesunken. Das ist nicht preisbereinigt. Zu konstanter Kaufkraft gerechnet müssten es fast 20 Prozent sein, so viel wie in keinem anderen Land. In Irland gingen die Nominallöhne um weniger als zwei Prozent zurück.

Für seine Diagnose greift Sinn auf den Deflator des Bruttoinlandsprodukts zurück. Diese Inflationsmessgröße zu erklären, führt hier zu weit. Nur so viel: „Sie taugt nicht, um die preisliche Wettbewerbsfähigkeit zu beurteilen“, erklärt Jacques Cailloux von der RBS. So dürfte die Halbierung der Immobilienpreise in Irland den Deflator dort gedrückt haben. In Griechenland wurde er durch die deutliche Erhöhung indirekter Steuern und durch den starken Anstieg der Ölpreise nach oben getrieben.

Um die preisliche Wettbewerbsfähigkeit zu beurteilen, müsste man auf die griechischen Lohnstückkosten schauen, die bis Frühjahr 2011 vorliegen und einen Rückgang von 2,8 Prozent zum Vorjahr ausweisen. Die griechische Zentralbank schätzt, dass bis Ende des Jahres zwei Drittel des von 2001 bis 2009 aufgelaufenen Verlusts an Wettbewerbsfähigkeit zurückgewonnen sind.


Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

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