Studie
IfW glaubt an Halbierung der Arbeitslosigkeit

Der deutsche Arbeitsmarkt entwickelt sich prächtig – aber es ginge noch besser. Die Zahl der Arbeitslosen könnte innerhalb von drei Jahren halbiert und auf 1,8 Millionen gesenkt werden. Das ergibt sich aus einer bislang unveröffentlichten Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), die dem Handelsblatt vorliegt.

DÜSSELDORF Die Voraussetzungen: Die Arbeitslosenunterstützung müsste komplett umgekrempelt, so genannte Beschäftigungskonten müssten eingeführt werden. Anstatt mittels Steuern und Beiträgen die Arbeitslosenunterstützung zu finanzieren, schlagen die Kieler Ökonomen vor, dass jeder Beschäftigte laufend einen Mindestbetrag auf ein eigenes Konto bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) einzahlt und Vermögen aufbaut. Wer seine Stelle verliert, hebt von seinem Konto während der Arbeitslosigkeit Beträge ab, statt wie heute Arbeitslosenunterstützung zu bekommen. Ist das Konto leer, hilft der Staat als Notfallsicherung aus. Bleibt Geld am Ende eines Erwerbslebens übrig, fließt es als Zusatzrente an den Einzahler.

„Durch diese Neugestaltung werden sowohl die Anreize für Arbeitslose steigen, eine Stelle zu suchen, als auch für Unternehmen, zusätzliche Stellen zu schaffen“, sagt IfW-Präsident Dennis Snower, der gemeinsam mit seinen Kollegen Alfred Boss und Alessio Brown das Modell entwickelt und kalkuliert hat.

Ihre Kernidee: Wer über sein eigenes Geld verfügt, wirtschaftet effizienter. Das existierende System laufe darauf hinaus, Menschen durch die Zahlung von Transfers für ihre Beschäftigungslosigkeit zu „belohnen“ und durch Beiträge beziehungsweise Steuern für ihre Beschäftigung zu „bestrafen“, heißt es in der Studie. „Infolge dieses Umverteilungsmechanismus tragen die Arbeitslosen den sozialen Kosten ihrer Arbeitslosigkeit nicht voll Rechnung, während die Beschäftigten nicht in vollem Umfang in den Genuss des Ertrags ihrer Beschäftigung kommen.“ Arbeitsanreize, Produktivität und Beschäftigung fielen folglich niedriger als möglich aus. „Wenn es gelingt, mittels der Konten Arbeitslose stärker zu aktivieren, hätten auch Arbeitgeber mehr Anreize, im Inland Stellen zu schaffen, statt sie ins Ausland zu verlagern“, argumentiert Snower.

Der US-Ökonom weiß um die schwierige politische Durchsetzbarkeit wissenschaftlicher Ideen. Um seinen Vorschlag daher so transparent wie möglich zu machen, sollen die Beschäftigungskonten „als Teil des bisherigen Systems aufgefasst und alle weiteren institutionellen Regelungen beibehalten werden“.

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