Top-Ökonom teilt aus
Paul Krugman, übernehmen Sie

US-Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman schaltet sich in die Debatte um den deutschen Exportüberschuss ein – und verteidigt die Kritik daran. Deutschland schade dem Wachstum der Weltwirtschaft.
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San FranciscoÜblicherweise ist China in den Halbjahresberichten des US-Finanzministeriums die böse Macht, die die Weltmärkte durch angeblich manipulative Währungspolitik schädigt. Aber im jüngsten Bericht war Deutschland dran: Seine Exportstärke und die damit verbundenen exzessiven Leistungsbilanzüberschüsse führten zu deflationären Tendenzen im Euroraum und weltweit. Deutschland müsse das heimische Wachstum stärken und die Exportabhängigkeit verringern. Der Bericht platzte mitten die erhitzte Diskussion um die Bespitzelung der Bundeskanzlerin und vieler anderer Spitzenpolitiker weltweit durch den US-Geheimdienst. Entsprechend scharf war die Reaktion aus dem politischen Berlin auf den Bericht. Der Überschuss sei Ausdruck der hohen Nachfrage nach deutschen Qualitätsprodukten. Den Amerikanern wurde empfohlen, vielleicht mal ihre eigene Wirtschaftssituation zu analysieren. Auch Wirtschaftsexperten wie Michael Bräuninger vom HWWI halten die Vorwürfe für falsch. So etwas käme immer aus Staaten mit hohen Leistungsbilanzdefiziten, die weit mehr importierten als exportierten, erklärte er in einem Interview mit dem Deutschlandfunk.

Das lässt nun wieder Paul Krugman keine Ruhe. In scharfem Ton springt der renommierte US-Ökonom seiner Regierung zur Seite. Die deutsche Kritik an dem Bericht sei schlicht „bizarr“, schreibt er in einem Kommentar in der New York Times. Die Ansicht, Deutschland sei nicht verantwortlich für seine „unangemessenen“ Überschüsse, hält er für falsch. Auch er sei einmal „auf diesen Trick“ hereingefallen, doziert er, aber dann habe er seinen Fehler eingesehen. Die deutschen Sparmaßnahmen hätten zu einer allgemeinen Verschärfung der Situation in der Eurozone beigetragen. Als Beispiel führt er Spanien an: Der Abbau der Leistungsbilanzdefizite finde einseitig nur zu Lasten der schwachen Länder mit schrumpfenden Wirtschaften und hoher Arbeitslosigkeit statt. Deutschland trage nichts dazu bei. Man könne sogar die Sache so sehen, argumentiert er, dass Deutschland innerhalb des Euros eine Art gigantischer Währungsinterventionen über Target 2 (Trans-European Automated Real Time Gross Settlement Express Transfer System, ein Zahlungssystem der europäischen Zentralbanken) vornehme. So werde die „Schatten-Deutsche Mark“ niedrig gehalten.

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  • Man ist lieber "Exportweltmeister" auch wenn man deshalb im Ausland schon als zweites China in Europa bezeichnet wird. Nein mit der Einführung des größten Niedriglohnsektors unter Schröder in Europa ist man noch "Stolz"?
    Kann sich noch jemand an China erinnern, als Asiens größte Volkswirtschaft wegen seiner unterbewerteten Währung immer so große Handelsüberschüsse hatte? Also, China hat zwar noch immer Handelsüberschüsse, aber sie sinken. Deutschland hat jetzt Chinas Platz eingenommen: Im vergangenen Jahr hatte nicht China, sondern Deutschland weltweit den höchsten Leistungsbilanzüberschuss. Und in Relation zum BIP war der mehr als doppelt so hoch wie der Chinas.

    Deutschland hat nun allerdings schon fast zehn Jahre lang immer hohe Überschüssse eingefahren. Anfänglich standen diesen Überschüssen aber große Defizite in den südeuropäischen Ländern gegenüber, die durch den starken Zustrom deutschen Geldes finanziert wurden. Europa als Ganzes hatte noch immer eine relativ ausgeglichene Handelsbilanz.

  • @wschira

    Oh, bin ich auf Ihre politisch korrekten Füsse getreten ?
    Sorry. Aber keine Sorge, Sie werden es auch noch merken, da bin ich mir sicher ;-)

  • Volle Zustimmung, deutsche Ökonomen gehören zu einer seltenen Spezies absolut faktenresistenter Zombies. Da trifft der Witz mit den tausenden und aber-tausenden von Geisterfahrern voll zu.

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