Trotz Konjunkturpaket
Euro-Raum kann einer Rezession kaum ausweichen

Die europäische Konjunktur schwächelt nicht nur wegen der Finanzkrise. Sinkende Exportzahlen und Zurückhaltung der Kunden sorgen für schlechteren Umsatz. Viele Experten fordern nun ein umfangreiches Konjunkturprogramm nach amerikanischem Vorbild.

FRANKFURT. Eine Rezession in der Euro-Zone wird zunehmend wahrscheinlich – und die Rufe nach erlösenden Finanzspritzen für die Konjunktur immer lauter. Wie schwer die von den europäischen Ländern angekündigten Rettungspakete zudem auf den einzelnen Volkswirtschaften lasten könnten, lässt sich derzeit allerdings nur schwer abschätzen.

„Mittlerweile ist ein Konjunkturprogramm für das gesamte Währungsgebiet unausweichlich geworden“, sagte Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank für die Euro-Zone, dem Handelsblatt. „Die Nachfrage muss in allen Ländern gezielt mit Staats- und Infrastrukturausgaben sowie Steuerschecks gestärkt werden“, forderte er. Andere Euro-Raum-Experten wie Andreas Scheuerle von der Deka-Bank sind zurückhaltender: Die Probleme der einzelnen Länder seien „sehr heterogen“, daher müssten „sehr unterschiedliche Antworten“ gegeben werden.

Schon vor der dramatischen Verschärfung der Finanzkrise in den vergangenen Tagen waren die Sorgen um die Konjunktur im europäischen Währungsraum gewachsen. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt zu Jahresbeginn deutlich gestiegen war, ging es im zweiten Quartal leicht zurück. Diese Abschwächung sei zum Teil zwar auch dadurch bedingt, dass wegen des ungewöhnlich milden Winters Bauinvestitionen vom Frühjahr in die ersten Monate des Jahres vorgezogen wurden, schreiben die Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten. „Dennoch hat sich die Konjunktur im Euro-Raum stark abgekühlt“, resümieren sie.

Die Anlageinvestitionen hätten im ersten Halbjahr kaum mehr zugelegt – nicht zuletzt wegen der Immobilienkrise in Spanien und Irland. Die Exporte seien rückläufig gewesen, wohl auch infolge der starken Euro-Aufwertung. Und die privaten Haushalte hätten ihren Konsum im ersten Halbjahr leicht eingeschränkt.

Dass die Wirtschaft im Euro-Raum in eine Rezession rutscht, kündigt den Wirtschaftsforschern zufolge „eine Reihe von Indikatoren an“. Zum einen gehe die Industrieproduktion seit Mai tendenziell zurück, zum anderen verschlechterten sich die Erwartungen von privaten Haushalten und Unternehmen seit mehr als einem Jahr.

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