Vier Fragen an Ralph Wiechers
„2009 wird das entscheidende Jahr“ für Maschinenbau

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbaus (VDMA) sieht trotz der im Juni erneut rückläufigen Auftragseingänge der deutschen Industrie keinen Grund für einen pessimistischen Jahresausblick. "Strukturell stehen der deutsche Maschinenbau und weite Teile der Industrie gut da", sagte der Chefvolkswirt des Verbandes, Ralph Wiechers, dem Handelsblatt im Interview.

Handelsblatt: Im Juni sind die Erwartungen wieder enttäuscht worden und die Auftragseingänge gesunken. Wie nachhaltig ist der laufende Abschwung der Industrie?

Ralph Wiechers: Nach bis zu fünf Jahren Wachstum beispielsweise im Maschinenbau ist die sich abzeichnende Abschwächung vor allem zyklisch begründet, wobei dieser Trend durch die Finanzmarktkrise forciert wird. Strukturell stehen der deutsche Maschinenbau und weite Teile der Industrie gut da. Daher rechnen wir im gesamten Jahr weiter damit, dass die Produktion im Maschinenbau trotz der nachlassenden Dynamik um fünf Prozent auf einen Rekordwert steigen wird. 2009 wird das entscheidende Jahr – dann werden wir sehen, wie krisenfest die hiesigen Unternehmen wirklich sind.

Was erwarten Sie?

Ich bin im Grunde genommen zuversichtlich, dass die deutschen Maschinenbauunternehmen die Belastungen wie eine sich abschwächende Weltkonjunktur, zunehmende Inflation, den schwachen Dollar und der Finanzmarktkrise souverän meistern. Denn die erfolgreichen vergangenen Jahre haben die Unternehmen nicht dazu veranlasst, unvorsichtig und allzu euphorisch zu agieren. Sie haben die aufgebauten Kapazitäten solide finanziert und weiterhin viel Wert auf flexible Strukturen gelegt, indem sie beispielsweise Leiharbeiter einstellten. Das hilft ihnen jetzt, wettbewerbsfähig zu bleiben.

Wenn die Nachfrage – insbesondere aus dem Ausland – sinkt, hilft das exportorientierten Unternehmen nur begrenzt. Woher kommt Ihre Zuversicht?

Viele deutsche Maschinenbauer haben in Markterweiterungen investiert und sind nun verstärkt in Indien, dem arabischen Raum oder Russland tätig – also Ländern, die großes Wachstumspotenzial haben. Sie können die rückläufige Nachfrage aus den Vereinigten Staaten und einigen europäischen Ländern zwar nicht kompensieren, aber die Abschwächung bremsen.

Welche Unternehmen trifft der Abschwung am stärksten?

Ganz klar die baunahen Bereiche. Sie sind von dem Abwärtstrend bereits voll erwischt worden, freilich auf einem hohen Niveau. Gut geht es dagegen rohstoff- und energienahen Investitionsgüterherstellern. Sie profitieren natürlich erheblich davon, dass Rohstoffe und Energie weltweit immer knapper werden.

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