Villen und Häuser finanziert
Bundesbank schädigte Staatskasse jahrelang

Die Bundesbank hat über Jahrzehnte auf Kosten der Staatskasse ihren Spitzenkräften Villen und Häuser zu vergünstigten Konditionen bereitgestellt. Dort konnten sie auch nach ihrem Ausscheiden aus der Bank wohnen bleiben. Das bestätigten dem Handelsblatt die früheren Bundesbankpräsidenten Karl Otto Pöhl und Hans Tietmeyer (Dienstagausgabe).

FRANKFURT. Für beide baute die Bundesbank Villen in bester Lage. Die Vergünstigungen, die die Bank außer ihren Führungskräften auch vielen weiteren Mitarbeitern eingeräumt hat, reduzierten den Notenbankgewinn, der in die Staatskasse fließt. Die Bundesbank räumte lediglich ein, sie habe "in einigen Fällen für ihre Präsidenten und Vizepräsidenten Häuser erworben und gebaut, wenn bei Amtsantritt kein geeignetes Wohnobjekt zur Verfügung stand". Pöhl bestätigte dem Handelsblatt aber, es sei "Tradition" gewesen, dass die Bank nicht nur für ihre Präsidenten und Direktoriumsmitglieder, sondern auch für die Landeszentralbankpräsidenten Villen gebaut habe.

Die Bundesbank gibt an, Präsidenten und Vizepräsidenten hätten eine ortsübliche Miete auf der Grundlage von Sachverständigengutachten gezahlt. Die Bank erwähnt aber nicht, dass sie auf diese Miete einen zu versteuernden Abschlag von zehn Prozent gewährte. Noch viel größer war die Vergünstigung in den 80er-Jahren. Als der Fiskus dann Vergleichsmieten festsetzte und der geldwerte Vorteil rückwirkend zu versteuern war, musste Pöhl "Hunderttausende von Mark" nachbezahlen. "Da bin ich ausgezogen", sagte Pöhl, der die Bundesbank von 1980 bis 1991 leitete. Aus der Höhe der Nachzahlung ergibt sich, dass die Mieten in den 80er-Jahre weit unter dem Marktpreis gelegen haben müssen. Nach Tietmeyers Angaben wurde erst in seiner Amtszeit (1993 bis 1999) beschlossen, dass nur noch der Präsident und der Vize ein Haus gestellt bekommen. Pöhl hält all das für "alte Zöpfe". Die Bundesbankspitzen verdienten genug: "Sie können sich selber ein Haus kaufen oder mieten."

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