Wachstumserwartung in Gefahr
Remsperger warnt vor Risikofaktor Ölpreis

Bundesbank-Chefvolkswirt Hermann Remsperger befürchtet, dass der anhaltend hohe Ölpreis die Wachstumserwartung der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frage stellt.

HB STOCKHOLM. Der EZB-Stab habe bei seiner September-Projektion für dieses Jahr 1,9 % und für das kommende Jahr 2,3 % im Mittel vorausgesagt. „Wie bei jeder Vorhersage gibt es auch Risiken - vor allem das Ölpreisrisiko“, sagte Remsperger seinem Redetext zufolge am Montag in Stockholm. Auch die Wachstumserwartung der Bundesbank für Deutschland von anderthalb Prozent 2005 stehe unter der Bedingung eines Ölpreisrückgang. Die Ölpreise notierten an den Terminmärkten zuletzt auf historischen Höchstständen von mehr als 55 Dollar je Barrel US-Leichtöl und mehr als 51 Dollar je Barrel Nordsee-Öl Brent.

Remsperger bekräftigte bei einer Konferenz der Swedbank die Wachstumserwartung der Bundesbank. In diesem Jahr sei eine Rate von knapp zwei Prozent realistisch, arbeitstäglich bereinigt seien das etwas weniger als anderthalb Prozent. Im kommenden Jahr könne diese Rate etwas übertroffen werden. „Diese Vorhersage ist aber sehr bedingt. Vor allem geht sie von der Annahme aus, dass die Ölpreise von ihrem jetzigen Niveau zurückgehen.“ Die starke Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von den Exporten sei ihre Achillesferse. Bisher habe der starke Euro-Anstieg jedoch das Wachstum weitaus weniger gedämpft als viele erwartet hatten. Die mit dem weltweiten Aufschwung starke Auslandsnachfrage habe diesen Effekt mehr als ausgeglichen. Der Euro ist seit Tagen wieder stark im Aufwärtstrend und notierte zuletzt nahe bei 1,28 Dollar.

Der Anstieg des Ölpreises werde das Wachstum der Weltwirtschaft bremsen, wenn auch nicht zum Stillstand bringen, sagte Remsperger. Die Wirtschaft sei heute nicht mehr so abhängig von Öl wie in den 70er und 80er Jahren, dies verringere die wachstumsdämpfenden Effekte. Dies sei aber nur der Fall, wenn es nicht zu Zweitrundeneffekten komme - also einem Anstieg von Löhnen und Preisen auf breiter Front in Reaktion auf die Energieverteuerung.

Die EZB hat klargestellt, dass sie einen dauerhaften Anstieg des Preisniveaus in Folge der Ölverteuerung mit Zinserhöhungen verhindern würde. Remsperger zufolge sieht die Zentralbank die Preisstabilität, ihr oberstes Ziel, aber nach wie vor nicht in Gefahr. Die Teuerungsrate werde im kommenden Jahr in einer Spanne von 1,3 bis 2,3 % erwartet. Mit einem Mittelwert von 1,8 % ,twäre damit die Stabilitätsnorm von Raten unter, aber nahe zwei Prozent erfüllt. „Wir nehmen an, dass die Inflation in den Stabilitätsbereich im kommenden Jahr zurückkehren wird“, sagte der Bundesbank-Chefvolkswirt. Es bleibe abzuwarten, ob die Teuerungsrate in sicherem Abstand von zu hohen Inflationsraten sein werde.

Mit Blick auf die übermäßige Geldversorgung der Wirtschaft erinnerte Remsperger daran, dass diese zum großen Teil von Kapitalumschichtungen herrühre. Dieses Geld müsse nicht unbedingt zum Kauf von Gütern eingesetzt werden. „Ich möchte aber auch betonen, dass die Binnenkräfte hinter dieser monetären Expansion an Bedeutung gewinnen“, fügte er hinzu. Der EZB-Rat müsse das Geldmengenwachstum mit Adleraugen beobachten, um rechtzeitig das Aufkommen von Inflation zu stoppen.

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