Warnung vor Preisspirale
Wiederaufbau heizt Chinas Wachstum an

Der Wiederaufbau im chinesischen Erdbebengebiet wird nach einer Studie der Deutschen Bank mehr als 500 Mrd. Yuan (50 Mrd. Euro) kosten. Dadurch werden sich Chinas Ausgaben bereits dieses Jahr deutlich erhöhen und die ohnehin auf Hochtouren laufende Wirtschaft weiter ankurbeln. Für die Chinesen wird es damit noch schwieriger, die heimische Konjunktur im Gleichgewicht zu halten.

PEKING. Aufgrund der Studie korrigierte die Deutsche Bank ihre Prognose für das chinesische Wirtschaftswachstum 2008 um 0,7 Punkte auf 10,7 Prozent nach oben. "Wir rechnen mit einem Höhepunkt der Ausgaben zwischen dem vierten Quartal dieses Jahres und dem zweiten Quartal 2009", so Jun Ma, Chefökonom der Deutschen Bank in Hongkong. Für 2009 hob er die Wachstumsprognose ebenfalls um 0,4 Punkte auf 9,7 Prozent an. Auch die Inflation, die zuletzt so stark gestiegen war wie seit zwölf Jahren nicht mehr, werde durch den Nachfrageschub zulegen.

Dieser Ausblick entspreche den Erfahrungen mit früheren schweren Erdbeben in Indien, Japan, Iran, Taiwan, Türkei, Pakistan und Indonesien. Die Projektion vergangener Krisen habe auch gezeigt, dass im Jahr nach der Katastrophe das Wachstum der betroffenen Länder zunächst sinke, sagte der Analyst.

Für Chinas Regierung wird es mit dem durch den Wiederaufbau ausgelösten Nachfrageboom jedoch noch schwieriger, die heimische Konjunktur im Gleichgewicht zu halten. Peking hatte schon im vergangenen Jahr das Ziel gesetzt, das Wirtschaftswachstum auf acht Prozent zu senken, um eine Überhitzung zu vermeiden. 2007 lag das Plus aber bei 11,9 Prozent. Im ersten Quartal 2008 hat sich das Wirtschaftswachstum durch eine Export-Delle auf 10,6 Prozent abgeschwächt.

Im Gegensatz zur Deutschen Bank geht Chinas Zentralbank nicht davon aus, dass das Erdbeben, das rund 90 000 Todesopfer gefordert und mehr als fünf Millionen Menschen obdachlos gemacht hat, so große wirtschaftliche Auswirkungen haben wird wie frühere Naturkatastrophen in Taiwan oder Japan. Die Notenbank sieht jedoch die drohenden Preissteigerungen als großes Problem. Die Inflation werde China stärker belasten als etwa eine Exportflaute durch eine US-Rezession.

Die Gefahr der Inflation sieht man auch bei der Deutschen Bank. Als Folge des Bebens werden in China die Verbraucherpreise im kommenden Jahr um 4,3 Prozent zulegen, heißt es. Bislang lag die Prognose bei 3,9 Prozent. In Verbindung mit den hohen Öl- und Lebensmittelpreisen müsse sich das 1,3-Milliarden-Volk auf ein "dauerhohes Inflationsszenario" einstellen, so Analyst Jun Ma.

Rund 14 Mrd. Euro muss China nach der Studie für den Aufbau der zerstörten Gebäude im Bebengebiet ausgeben. Vor allem die Nachfrage bei Baustoffen wird in der betroffenen Provinz Sichuan stark zunehmen. Bei Zement dürfte der Bedarf um 61,1 Prozent steigen, bei Gebäudeglas um 39,2 Prozent. Schon bevor der Wiederaufbau begonnen hat, werden erste Engpässe bei Rohstoffen in der Volksrepublik gemeldet.

Mit steigenden Verbraucherpreisen wird auch das Bestreben der chinesischen Regierung erschwert, den inländischen Konsum anzukurbeln. Damit soll Chinas Wirtschaft vom Export unabhängiger werden. Gleichzeitig will Peking die hohe Sparquote senken, die laut einer Studie der UBS AG in den vergangenen fünf Jahren von rund 40 Prozent auf etwa 51 Prozent gestiegen ist.

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