Weltwährungsfonds
IWF hebt Wachstumsprognose für Deutschland an

Nach dem starken Zuwachs der deutschen Wirtschaft im ersten Quartal hat der IWF seine Wachstumsprognose erneut angehoben. Auch 2011 hält der Weltwährungsfond mehr als drei Prozent Wachstum für möglich.
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Washinton/Berlin

Der IWF hat Deutschland aufgefordert, seine aktuellen Wirtschaftserfolge durch eine längerfristige Stärkung seiner Wachstumskräfte auszubauen. Gelinge es Deutschland, fortbestehende Schwächen mit einer mittelfristig ausgerichteten Strategie zur Erhöhung des Wachstumspotenzials auszumerzen, sei das letztlich gut für Europa und die gesamte Weltwirtschaft, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Länder-Bericht des IWF. Deutschland habe es geschafft, auch mit Impulsen von außen, 2010 um über drei Prozent zu wachsen und das könnte auch 2011 gelingen. Bislang hatte der Fonds das deutsche Wachstum lediglich auf 2,5 Prozent in diesem und 2,1 Prozent im nächsten Jahr geschätzt.

Der neue Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler zeigte sich erfreut über die IWF-Befunde. "Deutschland leistet einen zentralen Beitrag zu Wachstum und Beschäftigung in Europa", sagte er. Die Wirtschaft habe inzwischen das Vorkrisenniveau wieder erreicht. Rösler stellte sich ausdrücklich hinter die Aufforderung des Fonds an Deutschland, seine Wachstumsgrundlagen und die binnenwirtschaftliche Dynamik zu stärken. Auch empfehle der Fonds, Steuer- und Abgabenbelastungen zu korrigieren.

IWF: Starkes Deutschland nützt allen

Der Fonds spielt auf die zeitweise heftige internationale Kritik an Deutschland wegen seines hohen Überschusses in der Leistungsbilanz einerseits und seiner nur wenig wachsenden Löhne und forcierten Haushaltssanierung andererseits an. Der IWF räumte aber ein, schneller wachsende Löhne und eine weniger strenge Etatkonsolidierung könnte Deutschland wirtschaftliche Stärke kosten, während das anderen Ländern allenfalls kurzfristige, zweifelhafte Impulse bringen könnte.

"Die wahre Herausforderung für Deutschland ist es, seine Schwächen auszumerzen", lautet das Fazit des Fonds nach ausgiebigen Konsultationen mit hiesigen Verantwortlichen. Der Schlüssel sollte eine Mittelfriststrategie sein, die zu einer Stärkung der Binnennachfrage führe. Das würde allen helfen. Zudem gelte: "Eine robustes deutsches Finanzsystem ist wichtig für Europa und die weltwirtschaftliche Stabilität". Mehr Widerstandsfähigkeit gegenüber systemischen Schocks - das sei auch für Deutschland von grundlegender Bedeutung.

Die deutsche Wirtschaft und die Beschäftigung seien aber schon vor Beginn der großen Rezession überdurchschnittlich gut gewesen, merkte der Fonds lobend an. Allerdings - trotz aller Zuversicht sei abzusehen, dass sich das Wachstum in Deutschland längerfristig wieder verringern werde und zwar in Richtung seines Potenzialwachstums von jährlich rund 1,25 Prozent. Dem gelte es mit Strukturreformen entgegenzutreten - insbesondere im Steuer- und Bildungsbereich. Ein Problem stelle auch der Arbeitskräftemangel dar, der das Wachstum dämpfen könnte. Hier müsse Deutschland mehr tun, etwa durch die Rekrutierung von mehr Frauen und mehr älteren Menschen für den Arbeitsmarkt. Und auch im deutschen Finanzsystem, das insgesamt recht stabil sei, gebe es noch Schwäche-Bereiche - etwas im Bereich der Landesbanken.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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