Weltwirtschaft
Schlechte Aussichten für die Exporteure

Die Weltwirtschaft gerät unter Druck. Mehr und mehr leidet die deutsche Industrie unter den Problemen ihrer Absatzmärkte. Vor allem die Industrieunternehmen sind betroffen.
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Die Weltwirtschaft gerät immer mehr unter Druck. Dadurch wird auch die lange Zeit robuste deutsche Wirtschaft immer verwundbarer. Dieses beunruhigende Signal ging gestern von einem international viel beachteten Frühindikator aus: dem Einkaufsmanagerindex, der auf einer monatlichen Umfrage unter rund tausend Unternehmen in Deutschland beruht. Er sank nach vorläufigen Zahlen im Juni von 49,3 auf 48,5 Punkte - und liegt damit auf dem tiefsten Wert seit drei Jahren. Der Teilindex für die Industrie sackte sogar auf 44,7 Punkte ab. Das gab der Informationsdienstleister Markit bekannt.

Die exportorientierte deutsche Wirtschaft hat bisher die Rezession in Südeuropa durch höhere Ausfuhren in Schwellenländer kompensiert, doch nun häufen sich auch dort die schlechten Nachrichten. Der chinesische Einkaufsmanagerindex fiel im Juni auf ein Sieben-Monats-Tief. Die Wirtschaft in Indien und Brasilien schwächt sich deutlich ab.

Auch in den USA bleibt die Erholung schleppend. Die US-Notenbank Fed reduzierte ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr um einen halben Prozentpunkt auf 1,9 bis 2,4 Prozent. Hier fiel der Einkaufsmanagerindex um 1,1 auf 52,9 Punkte und damit auf den schlechtesten Wert seit Juli 2011.

Die Rezession in Europa und die weltweite Konjunkturabkühlung erhöhen den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB). Viele Ökonomen rechnen damit, dass die EZB bei ihrer nächsten Sitzung am 5. Juli die Zinsen senken und womöglich frisches Geld ins Bankensystem schleusen wird.

Immerhin verharrte der Einkaufsmanagerindex für die ganze Euro-Zone im Juni auf dem Dreijahrestief von 46 Punkten. Volkswirte werteten das als kleines Hoffnungszeichen. "Die Unternehmer im Euro-Land sind scheinbar nicht so leicht zu erschüttern", kommentierte Deka-Bank-Ökonom Christian Melzer.

Die Aussichten mögen sich zwar nicht weiter verschlechtert haben, die Zeichen stehen jedoch auf Rezession. "Das ist ein besorgniserregender Abschwung, und er springt von den Peripherieländern auf Deutschland über", warnt Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. "Er wird tiefer und breiter." Er folgert aus den Ergebnissen, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zu Ende gehenden zweiten Quartal im Euro-Raum um 0,6 Prozent geschrumpft sein dürfte. Im ersten Quartal hatte es stagniert.

Die Sorge der Ökonomen ist, dass die Unternehmen aus Angst vor einer weiteren Eskalation der Euro-Krise die Investitionen stoppen. Das sogenannte Investbarometer der staatlichen Förderbank KfW untermauert diese Befürchtungen: Ihm zufolge sind die Investitionen der deutschen Unternehmen im ersten Quartal um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gesunken. Die abnehmende Exportdynamik und die Verunsicherung durch die Euro-Krise hätten sich stärker als erwartet ausgewirkt, sagte KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch.

Trotz des schwachen Jahresstarts rechnet die KfW aber für das gesamte Jahr noch mit einem Investitionszuwachs um 1,6 Prozent - nach 7,6 Prozent Zuwachs im vergangenen Jahr.

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