Weniger Lehrlinge
Industrie und Handel sparen an Azubis

Die Hinweise verdichten sich, dass die Wirtschaft im Krisenjahr 2009 kräftig an der Ausbildung spart. Das zeigen bisher unveröffentlichte Zahlen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages.

BERLIN. Nach den DIHK-Zahlen haben Industrie und Handel bis Ende Juli acht Prozent weniger neue Verträge für das im Herbst beginnende Lehrjahr geschlossen als im vergangenen Jahr. Im Osten ist der Rückgang noch stärker als im Westen. Handel und Industrie bilden 60 Prozent aller Lehrlinge aus. Auch das Handwerk hatte zuletzt ein Minus von fast acht Prozent gemeldet.

Allerdings scheint der Einbruch nicht ganz so dramatisch auszufallen wie noch im Juni befürchtet. Vor Monatsfrist hatte der DIHK sogar einen Rückgang von mehr als neun Prozent gegenüber dem Vorjahr gemeldet. Vor allem Arbeitsminister Olaf Scholz und die Gewerkschaften fordern von der Wirtschaft, diese müsse deutlich mehr Azubis einstellen – auch um so den Fachkräftemangel im nächsten Aufschwung zu mildern.

Als Ursache für das nachlassende Ausbildungsengagement gilt neben der Wirtschaftskrise jedoch auch die demografische Entwicklung. „Den vielfältigen Werbeaktionen der Kammern sind Grenzen gesetzt, wenn es an interessierten Bewerbern fehlt“, sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann dem Handelsblatt. Auch beim Handwerk heißt es, vor allem im Osten gebe es vielerorts kaum noch Interessenten.

Nach den Prognosen der Kultusminister verlassen dieses Jahr noch 903 000 Jugendliche die Schulen – 37 000 weniger als im Vorjahr. Es fehlen vor allem Abgänger mit Haupt- und Realschulabschluss, die das entscheidende Reservoir für den Lehrstellenmarkt bilden. Die Zahl der Abiturienten hingegen sinkt nur minimal. Und das ist erst der Anfang: Bis 2020 wird die Zahl der Schulabgänger auf unter 800 000 rutschen.

Ein kleineres Problem sind offenbar die Lehrlinge von Firmen, die in die Insolvenz gehen mussten und für die die Gewerkschaften einen „Schutzschirm“ fordern. Nach einer Umfrage des DIHK bei den Kammern wurden seit Januar 2 200 Fälle gemeldet, in denen Auszubildende wegen der Pleite ihres Betriebs die Lehre nicht zu Ende machen konnten. 80 Prozent davon wurden an andere Betriebe vermittelt. „Für die restlichen 20 Prozent laufen die Bemühungen noch – mit sehr guten Vermittlungschancen“, sagte DIHK-Präsident Driftmann.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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