Wirtschaft schrumpft erneut
Deutsche Industrie tritt auf die Produktionsbremse

Die Industrie reagiert mit starken Produktionskürzungen auf die sinkende Nachfrage aus dem In- und Ausland. Die deutsche Wirtschaft droht deshalb am Jahresende das dritte Quartal in Folge zu schrumpfen. Einige Experten befürchten sogar das größte Minus seit der Wiedervereinigung.

HB BERLIN. Die Industrie stellte im Oktober 2,2 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das Wirtschaftsministerium am Montag mitteilte. Bereits im September wurde die Produktion um 3,6 Prozent gedrosselt - einen größeren Rückgang hatte es seit Einführung der Statistik 1991 noch nicht gegeben. Am Jahresende und Anfang 2009 dürften weitere Einbrüche folgen, weil viele Autohersteller und ihre Zulieferer ihre Werke im November vorübergehend geschlossen haben oder dies im Dezember vorhaben. Auch aus anderen Branchen häufen sich Meldungen über Kurzarbeit und verlängerte Werksferien zum Jahreswechsel.

Der kräftige Tritt auf die Produktionsbremse hat nach Einschätzung von Experten einen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts im Herbstquartal zur Folge. „Damit könnte das vierte Quartal sogar zum schlechtesten der gesamtdeutschen Geschichte werden“, sagte DekaBank-Experte Andreas Scheuerle. „Wir stecken mitten in einer sich beschleunigenden Abwärtsspirale.“ Ähnlich äußerte sich Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen: „Die Wirtschaft dürfte im Vergleich zum Vorquartal um mehr als ein Prozent schrumpfen“.

Das bisherige Rekordminus liegt bei 1,2 Prozent und datiert aus dem ersten Quartal 1993. Im Sommer war das Bruttoinlandsprodukt bereits um 0,5 Prozent gesunken, im Frühjahr um 0,4 Prozent.

Die Unternehmen reagieren mit dem Produktionsrückgang auf die Auftragsflaute. Seit Ende 2007 laufen bei ihnen Monat für Monat weniger Bestellungen ein, unterbrochen nur von einem kurzen Zwischenhoch im August. Im September brachen die Aufträge so stark ein wie noch nie seit der Wiedervereinigung, im Oktober folgte der drittstärkste Rückgang. Die Produktion werde deshalb in den kommenden Monaten weiter sinken, erwartet das Ministerium.

Die Hersteller von Maschinen, Fahrzeugen und anderen Investitionsgütern drosselten ihre Produktion mit 3,1 Prozent besonders stark. Die Produzenten von Vorleistungsgütern meldeten eine Minus von 2,2 Prozent. Die Konsumgüterhersteller schränkten ihren Ausstoß um 0,4 Prozent ein.

Das Bauhauptgewerbe drückte seine Produktion um 3,0 Prozent. Die Energiewirtschaft fuhr ihre Erzeugung dagegen um 0,2 Prozent nach oben. Die Gesamtproduktion - Industrie, Bau und Energie zusammen - schrumpfte um 2,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Von Reuters befragte Volkswirte hatten nur mit einem Minus von 1,5 Prozent gerechnet. Bereits im September war die Produktion preis-, kalender- und saisonbereinigt mit 3,3 Prozent so stark eingebrochen seit 1995 nicht mehr.

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