Wirtschaftsforscher warnen
Geldpolitik der EZB gefährdet Preisstabilität

Die führenden Forschungsinstitute schlagen Alarm: Die EZB dürfe ihre Geldpolitik nicht am schwächsten Land ausrichten, warnen die Ökonomen in ihrem Frühjahrsgutachten. Für Portugal und Griechenland sehen sie schwarz.
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BerlinMit dem Öffnen der Geldschleusen gerät die EZB nach Ansicht führender deutscher Forschungsinstitute bei der Inflationsbekämpfung in die Bredouille. Ohne geeignete Mechanismen zur Lösung der Schuldenkrise sei zu befürchten, dass die EZB eine Normalisierung ihrer Geldpolitik zu lange hinausschiebe, warnten sie in ihrem am Donnerstag vorgelegten Frühjahrsgutachten. Die lockere Geldpolitik werde dann solange fortgesetzt, bis „auch vom letzten nationalen Bankensystem im Euroraum“ keine Gefahr mehr ausgehe. „Dies liefe aber darauf hinaus, die Geldpolitik am schwächsten Mitgliedsland auszurichten statt am Euroraum insgesamt“, erklärten die Forscher. Die EZB könne dann bei der Inflationsbekämpfung nicht mehr angemessen reagieren, mit negativen Folgen für die Preisstabilität.

Die EZB hat das Finanzsystem mit zwei großen langfristigen Kreditlinien im Volumen von mehr als einer Billion Euro geflutet. Damit konnte die Zentralbank zumindest vorübergehend für eine Entspannung an den Anleihemärkten sorgen, da Banken das zum Leitzins von einem Prozent geborgte Geld in rentable Bonds von bedrängten Eurostaaten wie Italien und Spanien investierten. Damit wurden die Renditen der Anleihen dieser Staaten de facto gedrückt. Die lange Laufzeit der EZB-Kredite von drei Jahren und die Tatsache, dass die Zentralbank ihre Anforderungen an Sicherheiten für die Kreditvergabe heruntergeschraubt hat, gibt den Instituten jedoch Anlass zur Sorge.

 „Dies hat zu massiven Verwerfungen und damit volkswirtschaftlichen Kosten an anderer Stelle geführt“, mahnten die Forscher und verwiesen dabei insbesondere auf die Ungleichgewichte im sogenannten Target2-Zahlungsverkehrssystem der Euro-Zone. Nach Berechnungen des Ifo-Instituts müssen sich die Notenbanken Spaniens und auch Italiens über diesen Finanzierungskanal immer mehr Geld von Zentralbanken wirtschaftlich starker Länder wie Deutschland leihen. Seit Juli 2011 sind danach allein von den Notenbanken Spaniens und Italiens Target-Kredite im Umfang von 483 Milliarden Euro gezogen worden, um ihre Volkswirtschaften mit billigen Krediten versorgen zu können.

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  • @Anonymer Benutzer: UnSINN

    "Die VWL hat total versagt"

    Ich werde das Gefuehl nicht los, die Entscheidungen sind nicht auf VWL-Basis gefaellt worden, sondern rein auf Grund von voellig anderen Dingen, wie auch Lobby-Interessen. Man sehe sich die ganze FED-Politik in den USA an, oder auch die Politik in GB und jetzt auch bei der EZB. Da wird notfalls die VWL solange hingebogen, bis man die wildesten Entscheidungen rechtfertigen kann.

  • Sie sprechen mir aus dem Herzen.

  • Welche Forscher? Welche EZB Politik ?? Die Kanisterköpfe Sinn und Co. fordern sparen..und redet über Target2 Geldmengen. Na klar.
    Ist nur komisch, dass andere (Krugman, Sieglitz, usw., also kein Pappnasen sondern Nobelpreisträger)..genau das Gegenteil fordern, nämlich die deutliche Ausweitung der Geldmenge und eine moderate Inflation.
    Mit welcher Arroganz Sinn und Co. hier auftreten ist unerträglich. Diese akademisch geführte Diskussion hängt einem zum Halse raus.
    Die VWL hat total versagt und KEINER hat ein Patentrezept. Und warum? Weil die Realität nicht rational, sondern irrational ist, wie wir gerade erleben. Und Irrationalität in mathematische Formeln zu packen ist nicht so einfach...
    Also an ALLE: Bitte weniger Arroganz und mehr Relität"SINN".

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