Wirtschaftswachstum
Neue EU-Staatenholen kräftig auf

Die acht neuen EU-Mitglieder in Mittel- und Osteuropa stehen heute viel besser da als vor Beginn ihrer Mitgliedschaft. In den letzten drei Jahren konnten sie ein höheres Wirtschaftswachstum vorweisen als die Kernländer. Konjunkturforscher gehen davon aus, dass der Trend anhalten wird.

WARSCHAU. Die acht neuen EU-Mitglieder in Mittel- und Osteuropa profitieren sehr stark von ihrem Beitritt zur Gemeinschaft im Mai 2004. „Wirtschaftlich stehen sie heute viel besser da als in den Jahren vor Beginn der Mitgliedschaft“, betont Sandor Richter vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Aus der neuen Konjunkturstudie des WIIW geht hervor, dass die Wirtschaft dieser Länder seit 2004 jährlich um durchschnittlich 5,3 Prozent gewachsen ist. In den Jahren zuvor waren es 3,1 Prozent.

Dadurch haben sie gegenüber den Volkswirtschaften im Westen erheblich aufgeholt, deren Wachstum in den letzten drei Jahren im Durchschnitt weniger als zwei Prozent betrug. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in den neuen Mitgliedsländern liegt inzwischen bei gut 54 Prozent des Durchschnitts der westlichen EU-Staaten. Ende 2003 betrug es noch knapp 49 Prozent.

Die Konjunkturforscher des WIIW gehen davon aus, dass die Wachstumsdynamik in Mittel- und Osteuropa in den nächsten Jahren anhalten wird, wenngleich mit etwas geringeren Steigerungsraten als im Jahr 2006. Das gilt auch für die beiden Neumitglieder Rumänien und Bulgarien, die in diesem Jahr beigetreten sind. Nur Ungarn tanzt aus der Reihe: Wegen des harten Sparkurses der Regierung in Budapest wird das Wachstum von 3,9 Prozent in 2006 auf etwa 2,7 Prozent in diesem Jahr sinken. Die WIIW-Studie zeigt, dass der EU-Beitritt die Einbindung der neuen Mitgliedstaaten in die globalen Märkte beschleunigt hat. Weitere Handelsschranken wurden abgebaut. Infolgedessen hat sich das Exportwachstum dieser Länder seit 2004 fast verdoppelt. Mit der Steigerung der Ausfuhren haben sich auch die Handelsbilanzen wesentlich verbessert.

Außerdem hat die EU-Mitgliedschaft die Investitionstätigkeit in diesen Ländern stark gefördert. „Das Vertrauen in- und ausländischer Investoren in die Stabilität der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist gestiegen“, betont Richter. So hat der Zufluss ausländischer Direktinvestitionen (FDI) in den drei Jahren nach dem EU-Beitritt um durchschnittlich 36 Prozent zugenommen. Polen als Spitzenreiter erzielte im letzten Jahr die Rekordsumme von 11,3 Mrd. Euro neuer FDIs. „Die ausländischen Investitionen stärken die Wettbewerbsfähigkeit des Exports dieser Länder und fördern auch ihre Managementkultur“, so das WIIW.

Schließlich hat das hohe Wirtschaftswachstum auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt der neuen EU-Staaten verbessert. Ihre Arbeitslosenquote sank in den letzten drei Jahren um durchschnittlich 1,7 Prozent. Allerdings ist diese mit durchschnittlich 13 Prozent immer noch doppelt so hoch wie bei den 15 Altmitgliedern der EU im Westen. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich allerdings ein gemischtes Bild. Während Länder wie Tschechien, Slowenien und die baltischen Staaten Arbeitslosenquoten zwischen fünf und sieben Prozent aufweisen, liegen die entsprechenden Werte in Polen und der Slowakei noch bei etwa 13 Prozent.

Die Indikatoren für die makroökonomische Stabilität in den neuen EU-Staaten zeigen jedoch ein weniger vorteilhaftes Bild. So ist die Inflation besonders in Ungarn, Lettland und der Slowakei in den letzten drei Jahren erheblich gestiegen. Insbesondere die baltischen Staaten verzeichnen ein steigendes Defizit in der Leistungsbilanz. Immerhin hat sich die Haushaltssituation verbessert. In fünf Staaten liegt das Defizit im Staatsbudget inzwischen unter drei Prozent des BIP. Nur Ungarn, Polen und Tschechien tanzen mit Werten zwischen drei und zehn Prozent aus der Reihe.

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