World Economic Outlook
Deutschland ist das Zugpferd Europas

Deutschland spielt nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) erstmals seit vielen Jahren wieder die Rolle eines Zugpferdes für das Wirtschaftswachstum in der Europäischen Union. Das habe der Fonds in seinem jüngsten Ausblick auf die Weltwirtschaftsentwicklung angesichts des hohen deutschen Wachstums 2006 von 2,7 Prozent formuliert, sagte am Dienstag in Berlin ein hochrangiger Vertreter des Finanzministeriums.

HB BERLIN. Allerdings werde Deutschland wie die gesamte Weltwirtschaft im laufenden Jahr niedrigere Zuwächse erzielen. Insgesamt jedoch bleibe das Wachstum stark. Die maßgeblichen Risiken für eine Fortsetzung des Aufschwungs hätten im Vergleich zum vergangenem Herbst 2006 sogar abgenommen. Der IWF gehe davon aus, „dass wir eine sanfte Landung 2007 erleben werden“, sagte der Regierungsvertreter kurz vor der Frühjahrestagung des IWF.

Ein Thema der Finanzminister-Sitzung der sieben führenden Industrieländer (G7) am Rande der IWF-Frühjahreskonferenz am Wochenende in Washington wird den Regierungskreisen zufolge auch die Wechselkursentwicklung sein. „Ich würde aber keine Überraschungen erwarten“, hieß es in der deutschen Delegation. China habe Fortschritte bei der Flexibilität seines Wechselkurssystems gemacht, wie sie die G7 seit langem anmahnt, doch seien noch weitere Schritte nötig. Im übrigen sei China erneut zur Diskussion über die Weltwirtschaftslage im G-7-Kreis eingeladen worden, doch hätten die zuständige Vertreter des Landes aus „praktischen Gründen“ abgesagt. An anderen Diskussionen beim IWF/G7-Treffen nähmen sie aber teil.

2007 sieht der IWF den Kreisen zufolge die Weltwirtschaft und Deutschland auf einem etwas schwächeren Wachstumspfad. Die Weltwirtschaft werde 2007 um etwa 4,9 Prozent zulegen, die Euro-Zone um 2,3 Prozent. Für Deutschland sehe der IWF einen Zuwachs von 1,8 Prozent in diesem und 1,9 Prozent im nächsten Jahr. Die deutsche Defizitquote veranschlage der Fonds auf 1,3 Prozent in 2007 und 2008 - erheblich mehr als viele Forschungsinstitute. Die Arbeitslosigkeit werde weiter deutlich sinken.

Der Fonds sieht den Angaben zufolge fünf maßgebliche Risiken. Eines sei ein möglicher Anstieg des Inflationsdrucks weltweit, etwa durch höhere Öl- und Energiepreise. Auch ein kräftiger Rückgang des US-Wachstums, etwa herrührend vom Immobiliensektor, könne die Weltwirtschaft treffen. Gleiches gelte für hohe Schwankungen an den Finanzmärkten. Ein weiteres Risiko seien abrupte Anpassungsprozesse wegen der hohen weltweiten Ungleichgewichte. Schließlich verweist der IWF auf Protektionismusgefahren. Insgesamt allerdings hätten diese Risiken gemessen am letzten Weltwirtschaftsausblick des Fonds vom Herbst 2006 abgenommen.

Die Hoffnungen auf kurzfristige Fortschritte bei den Verhandlungen über einen freieren Welthandel (Doha-Runde) haben nach Angaben aus deutschen Delegationskreisen inzwischen bei den G7 und beim Fonds abgenommen. Die noch vor wenigen Monaten aufkeimende Erwartung, dass sich hier doch noch größere Erfolge erreichen ließen, sei deutlich geringer geworden.

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