ZEW-Index fällt erneut
Finanzprofis bleiben pessimistisch

Überraschung beim ZEW-Index: Finanzexperten bewerten die Aussichten für die deutsche Wirtschaft erneut schlechter. Der ZEW-Index ist im Mai trotz der Erholung an den Aktienmärkten und einem starken Jahresauftakt der Konjunktur gefallen. Vor allem zwei Faktoren schüren den Pessimismus.

HB BERLIN. Die ZEW-Konjunkturerwartungen sind von minus 40,7 Punkten im Vormonat auf minus 41,7 Punkte gefallen, teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mit. Volkswirte hatten hingegen mit einem Anstieg auf minus 37,5 Zähler gerechnet. Damit liegen die Konjunkturerwartungen weiter deutlich unter ihrem historischen Mittelwert von 29,6 Punkten.

Das ZEW verwies darauf, dass die Entwicklung der Konjunkturerwartungen im Wesentlichen auf zwei Faktoren zurückzuführen sein dürften: Einerseits hätten sich die Erwartungen der Finanzmarktexperten für die USA und damit für die deutsche Exportindustrie auf Sicht von sechs Monaten spürbar aufgehellt. Andererseits nähmen die befragten Finanzmarktexperten hohe Inflationsrisiken wahr und sähen daher für die Entwicklung des privaten Konsums wenig Spielraum.

Steigende Zinsen, hoher Euro machen sich bemerkbar

„Das erste Quartal ist für die deutschen Unternehmen sehr gut gelaufen. Allerdings dürfte die Konjunkturdynamik etwas an Fahrt verlieren, weil sich bei den Unternehmen allmählich die Folgen der steigenden Refinanzierungskosten und der starke Euro bemerkbar machen dürften,“ sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz zu der monatlichen Umfrage unter rund 300 Börsenexperten.

Die Börsianer bewerteten die Lage allerdings besser als noch im April. Dieser Teilindikator stieg auf 38,6 von 33,2 Zähler. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 32,0 Zähler gerechnet.

Der Euro gab nach den ZEW-Daten leicht nach und fiel unter die Marke von 1,56 Dollar. Der Dax fiel bis zum späten Vormittag um 0,8 Prozent auf 7165 Punkte und machte damit einen Großteil seiner Vortagesgewinne zunichte.

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Analyst Jörg Lüschow von der WestLB sagte zu den Zahlen: „Den Rückgang würde ich als kaum wahrnehmbar bezeichnen. Wir hatten mit einem stärkeren Rückgang gerechnet - die anhaltende Schwäche des Dollar, der gestiegene Rohölpreis und die USA am Rande der Rezession sprechen dafür. Zudem haben wir bisher die Auswirkungen der Finanzmarktkrise nicht in der Realwirtschaft gespürt. Wir gehen davon aus, dass sich die Konjunktur abschwächen wird, und dazu passt der Index. Einen Einbruch müssen wir aber nicht befürchten.“

Ulrich Wortberg von der Helaba meinte, der erneute Rückgang der Konjunkturerwartungen liefere eine negative Indikation für den Ifo-Geschäftsklimaindex, der morgen zur Veröffentlichung ansteht. „Dazu sei erwähnt, dass die konjunkturellen Aussichten von Seiten der Unternehmen bisher noch nicht so negativ beurteilt worden sind wie von den Finanzmarktteilnehmern. Daher existiert beim Ifo-Index möglicherweise ein größeres Korrekturrisiko.“

Andreas Rees von der Unicredit zeigte sich überrascht. „Die Verbesserungen an den Finanzmärkten sprachen dafür, dass sich der ZEW-Index verbessert. Am deutschen Aktienmarkt hatten wir eine regelrechte Rally. Der Dax hat deutlich zugelegt. Das hätte sich hier niederschlagen müssen.“

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