ZEW-Konjunkturerwartungen
Finanzexperten werden skeptischer

Allen Hoffnungsschimmern zum Trotze bewerten Börsenprofis die Aussichten für die deutsche Wirtschaft wieder deutlich skeptischer: Das aktuelle ZEW-Barometer sank unerwartet stark. „Der Aufwärtstrend ist vorerst unterbrochen“, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.
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MANNHEIM/BERLIN. Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen fiel im November auf 51,1 von 56,0 Punkten im Vormonat, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte. Experten hatten mit einem Rückgang auf 55,0 Punkte gerechnet. Die Lage beurteilten die Börsenprofis dagegen besser als im Vormonat. Dieser Teilindex stieg auf 65,6 von minus 72,2 Punkten. Experten hatten mit einem Anstieg auf minus 70,0 Punkte gerechnet.

Trotz des Rückgangs befinden sich die Konjunkturerwartungen laut ZEW auf einem hohen Niveau. Unsicher sei zurzeit vor allem die Entwicklung des privaten Konsums: Ein allmählich steigendes Preisniveau und die unsichere Arbeitsmarktsituation könnten den Verbrauch dämpfen, hieß es. „Optimistisch stimmt hingegen, dass sich die deutsche Ausfuhr kontinuierlich bessert und so das Wirtschaftswachstum stärkt.“

Die befragten Finanzexperten signalisierten, dass es im nächsten Jahr keinen starken Wachstumsschub geben werde. Vielmehr gehe die konjunkturelle Erholung in kleinen Schritten voran. Für den Euroraum ergibt sich ein ähnliches Bild wie für Deutschland. Die Konjunkturerwartungen sanken um 5,1 Punkte auf 51,8 Punkte, während die Lagebeurteilung um 5,1 Punkte auf 70,3 Punkte stieg.

Volkswirt Andreas Rees von Unicredit geht davon aus, dass die Wachstumserwartungen des Indikators auch in den nächsten beiden Monaten zurückgehen werden: „Die Wachstumserwartungen beim ZEW haben ihren Zenit überschritten“. Die Daten signalisierten eine moderate Wachstumsverlangsamung im Frühjahr 2010. „Die Analysten und Assetmanager gehen stärker dazu über, ein langsameres Wachstum einzupreisen, weil der Lagerzyklus Ende des zweiten Quartals 2010 zu Ende geht und die Fiskalpakete weltweit an Wirkung verlieren“, meint Rees. Der Volkswirt rechnet für die Gesamtwirtschaft im dritten Quartal mit einem Wachstum von 0,8 Prozent. Das vierte Quartal und der Jahresauftakt 2010 werde ein bisschen schwächer ausfallen. „Die Korrektur an den Aktienmärkten hat die Analysten vorsichtiger gemacht“, zeigt sich Simon Junker von der Commerzbank überzeugt. „Am Konjunkturbild ändert sich nichts, was wir bei den Aufträgen und beim Außenhandel sehen, die zuletzt deutlich zugelegt haben“, sagt der Volkswirt. Die Erholung laufe ganz klar, und das werde auch im vierten Quartal anhalten. Allenfalls werde sich das Wachstum abschwächen. „Einen Rückfall erwarten wir nicht“, sagt Junker.

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