Zinsentscheid
Fed nähert sich dem Wendepunkt

Die neue Sprachregelung der US-Notenbank hat an den Finanzmärkten für Furore gesorgt. Aktien und Anleihen legten in New York zum Teil kräftig zu.

NEW YORK. Auf den Terminmärkten für Zinskontrakte sanken die Chancen für eine Zinssteigerung auf 4,75 Prozent bis April nächsten Jahres von 62 auf 54 Prozent. Mit anderen Worten: Fast die Hälfte der Händler glaubt nunmehr, dass die Federal Reserve (Fed) nur noch einmal – nämlich Ende Januar – die Zinsen anheben wird.

Ob Fed-Chef Alan Greenspan und seine Kollegen mit ihrer Leitzinserhöhung am Dienstag auf 4,25 Prozent bereits das baldige Ende der Zinserhöhungen in den USA signalisiert haben, ist unter Ökonomen jedoch höchst umstritten. Investmentbanken wie Goldman Sachs und Lehman Brothers sagen einen Anstieg der Leitzinsen auf mindestens 4,75 Prozent bis Mitte nächsten Jahres voraus. Die Experten begründen ihre Prognose mit dem starken Wirtschaftswachstum in den USA von zuletzt 4,3 Prozent und den damit verbundenen Inflationsgefahren.

„Es ist ein wenig zu früh, um zu dem Schluss zu kommen, dass die Fed mit ihrer Arbeit fertig ist“, sagte Richard Volpe, Anleihespezialist beim Investmenthaus Bears Stearns in New York. Klar ist nur, dass der weitere Kurs der Notenbank stärker als bislang von der konjunkturellen Entwicklung abhängt. „Sollte es doch noch zu einem Einbruch auf dem Immobilienmarkt kommen, könnte die Notenbank auch schneller auf die Zinsbremse treten“, sagte Peter Hooper, Chefökonom der Deutschen Bank in New York. Goldman-Sachs-Volkswirt Ed McKelvey sieht ebenfalls „keine Richtungsänderung“ bei der Notenbank. „Wir erwarten weiterhin einen Anstieg der Leitzinsen auf fünf Prozent“, sagte er.

Bill Gross, Chef des weltgrößten Anleihehändlers Pimco, erwartet dagegen, dass die US-Notenbank schon bald inne halten wird. Er hält die Konjunktur in Amerika für weit weniger stabil und erwartet im Laufe des kommenden Jahres die erste Zinssenkung. Dagegen spricht, dass der Kurswechsel der Fed mit dem Führungswechsel von Alan Greenspan zu Ben Bernanke zusammenfällt. In der Vergangenheit haben neue Notenbank-Chefs ihre Amtszeit meist mit einer Zinserhöhung begonnen, um sich als Wächter der Preisstabilität zu beweisen und so das Vertrauen der Finanzmärkte zu gewinnen.

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