Zinserhöhung
Chinas Angst vor dem Superboom

Mit der überraschenden Zinserhöhung reagiert Peking auf den neuerlichen Boom der chinesischen Wirtschaft. Ökonomen zeigten sich erfreut, dass die chinesische Regierung scharfe Instrumente auspacke und Willens ist, die Immobilienblase anzustechen. Anscheinend hält die Regierung die Wirtschaft für so stark, dass sie eher die Überhitzung fürchtet. Das Wachstum schwächte sich im dritten Quartal allerdings leicht ab.
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PEKING/DÜSSELDORF. Die überraschende Erhöhung der Zentralbankzinsen ist nach Einschätzung von Ökonomen vor allem ein Zeichen der Stärke der chinesischen Wirtschaft. Der Zinsschritt zeige, dass Chinas Führung das eigene Wachstum für stabil halte und auch einen Rückfall der Vereinigten Staaten in die Rezession nicht fürchte, sagte Helen Qiao, Volkswirtin der Investmentbank Goldman Sachs. Der Zinsschritt sei damit auch ein gutes Zeichen für die Weltkonjunktur.

"Das ökonomische Management in China ist nahezu atemberaubend", lobte auch Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank. Chinas Führung habe das Land gut durch den Konjunkturzyklus geführt und finde nun auch den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik.

Gestern war eine Erhöhung des maßgeblichen Basissatzes um 0,25 Prozentpunkte auf 5,56 Prozent in Kraft getreten. Auch andere Zinsen der Zentralbank sind gestiegen. Die Zinsen für Einlagen bei der Notenbank mit mehr als zwei Jahren Laufzeit stiegen dabei stärker als kurzfristige Darlehenszinsen.

Weitere Zinsschritte sind in Sicht

"Wir denken, dass die Regierung durch die asymmetrische Anhebung langfristige Investments attraktiver machen will als kurzfristige Immobiliengeschäfte", schreibt Ökonom Chi Sun vom Bankhaus Nomura. Er erwartet für das kommende Jahr vier weitere Zinsschritte.

Die Finanzmärkte hatten sich von der Zinserhöhung zunächst schockiert gezeigt. Weltweit sanken am Dienstag die Aktienkurse, während der Dollar-Kurs stieg. Doch gestern drehten die Märkte, weil das Vertrauen in die wirtschaftspolitische Lenkung in China die Oberhand über die Furcht vor einer Überhitzung der chinesischen Wirtschaft gewann.

Das Wirtschaftswachstum in China hat sich im dritten Quartal allerdings leicht abgeschwächt. Das Bruttoinlandsprodukt legte um 9,6 Prozent zu, nach 10,3 Prozent im 2. Vierteljahr, wie das Nationale Statistikbüro am Donnerstag mitteilte. Volkswirte hatten ein Plus von 9,5 erwartet. Der Anstieg der Verbraucherpreise beschleunigte sich den Angaben zufolge erwartungsgemäß im September im Vergleich zum Vorjahresmonat leicht auf 3,6 Prozent. Im August lag er bei 3,5 Prozent.

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