Fußball-EM
Schlaflose Nächte in Bangkok

Die Europameisterschaft in Frankreich beschert deutschen Expats am anderen Ende der Welt einen Fußballjetlag – und Bier und Bratwurst zum Frühstück. Behörden warnen vor ernsthaften Gesundheitsgefahren.

BangkokNarat schlägt die Hände vors Gesicht und verwischt dabei die auf seiner Wange aufgemalte Deutschlandflagge. „Jetzt aber!“, ruft der thailändische Mitarbeiter der deutschen Botschaft mit leichtem Akzent kurz vor Abpfiff. Er trägt ein Deutschlandtrikot und hält eine Papierfahne in der Hand.

Béla Réthys Stimme aus dem Lautsprecher verspricht: „In vier Minuten kann noch viel passieren.“ Doch es bleibt bei der Niederlage der Nationalelf gegen die Franzosen – und der Thailänder Narat gibt sein umfangreiches deutsches Schimpfwortvokabular zum Besten.

Die Fußball-EM ist nicht nur in Europa ein emotionales Thema. Die Uefa verkaufte die Übertragungsrechte rund um den Globus – rund ein Viertel ihrer TV-Erlöse erwirtschaftet sie außerhalb der Eurozone. Den Fans am anderen Ende der Welt beschert sie Fußballfeste mit Bier und Bratwurst in den frühen Morgenstunden.

In Asien äußern wegen der schlaflosen Nächte beim Public Viewing sogar die Gesundheitsbehörden ernste Sorgen. Hartwig Schüler kümmert das wenig. Er kommt in der Nacht von Donnerstag auf Freitag kurz vor dem Anpfiff um zwei Uhr morgens zur deutschen Auslandsvertretung im Stadtzentrum von Bangkok.

Den Geschäftsführer des Handelsgesellschaft Exlo erwartet dort ein Botschaftsempfang abseits des herkömmlichen diplomatischen Protokolls. Statt der Abendgarderobe, die bei offiziellen Veranstaltungen in der Residenz des Botschafters normalerweise üblich ist, steht dieses Mal auf der Einladung: "Dresscode: Casual, Nationaltrikot".

Die Anfahrt für die rund 100 eingeladenen Fans ist erstaunlich unkompliziert: Weit nach Mitternacht gibt es auch auf den normalerweise überlasteten Straßen von Asiens Megacitys ausnahmsweise mal keinen Stau. Ballons in schwarz-rot-gold sowie blau-weiß-rot zieren das Eingangstor der deutschen Villa – die Veranstaltung ist für Anhänger beider Mannschaften gedacht.

Während das deutsche Team in Marseille auf französischem Boden spielt, feiern die Franzosen 9400 Kilometer entfernt vom Stade Vélodrome im Anwesen der Bundesrepublik.

Der Auswanderer Schüler, der seit 30 Jahren in Thailand lebt und mit seiner Firma lokale Berufsschulen mit Maschinen ausrüstet, erscheint im schwarzweißen DFB-Trikot.

 

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