Turbulenter Vorrundenabschluss
Deutschland stürmt gegen Frankreich zum Gruppensieg

Sechs Tore, viel Spannung und eine mitreißende Schlussphase: Deutschland und Frankreich haben mit einem spektakuläre Gruppenfinale beste Werbung für den Frauenfußball gemacht - zur Freude der in der Mehrzahl begeisterten deutschen Fans mit dem besseren Ende für das DFB-Team: Mit einem 4:2 (2:0)-Sieg gegen „Les Bleues“ sicherte sich die deutsche Frauen-Fußball-Nationalmannschaft mit der blütenweißen Weste von drei Siegen aus drei Spielen nach der Vorrunde Platz eins in der Gruppe A. Im Viertelfinale wartet nun Japan auf das deutsche Team.
  • 2

MönchengladbachEs war ein unerwartetes Bild, das die deutsche Spielführerin Birgit Prinz beim Weg in die Kabine vor dem 4:2-Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Frankreich bot. Obwohl bereits klar war, dass Bundestrainerin Silvia Neid gegen Frankreich nicht von Beginn an auf die Dienste der Frankfurterin setzen würde. Wie auch Kim Kulig (sollte mit Gelb belastet vor einer Sperre im Viertelfinale geschützt werden), Melanie Behringer (Außenbandverletzung) und Linda Bresonik (Magen-Darm-Beschwerden) musste sie auf der Bank Platz nehmen - nur dass es bei ihr Formgründe waren, die für Neid, die bis eine Stunde vor dem Spiel aus der Aufstellung ein Geheimnis machte, den Ausschlag gegen die angezählte Spielführerin gegeben hatten.

Stattdessen durften Bianca Schmidt und Lena Goeßling ihr WM-Debüt feiern und in der Offensive kamen Inka Grings und Lira Bajramaj zum Zug. Prinz wirkte trotzdem fröhlich, fast ausgelassen. Nach der heftigen Reaktion auf ihre Auswechslung im Spiel gegen Nigeria fast schon eine kleine Überraschung. Vielleicht wusste die dreimalge Weltfußballerin schon, was sie in den kommenden 90 Minuten erwarten sollte: Ein rasantes, höchst unterhaltsames Fußballspiel, von dem die 45.867 Zuschauern im Mönchengladbacher WM-Stadion noch lange reden werden.

Deutschland begann engagiert und vor allem bemüht, das gegen Nigeria so mangelhafte Kurzpassspiel wieder zu beleben. Große Chancen entwickelten sich dabei zwar vorerst nicht, zumindest aber wurden die spielstarken Franzosen in die eigene Hälfte gedrückt. Die erste halbe Gelegenheit gehörte der neu ins Team gerutschten Lokalmatadorin Lira Bajramaj, deren Schuss in der zwölften Minute noch geblockt werden konnte.

Im Anschluss verpuffte der deutsche Elan zunächst ein wenig, die Franzosen kamen kurzzeitig besser in die Partie – allerdings ebenfalls ohne zu Chancen zu kommen. So musste eine Standardsituation für den Führungstreffer der DFB-Elf herhalten: Linksverteidigerin Babett Peter zirkelte einen weiten Freistoß am langen Pfosten genau auf den Kopf von Kerstin Garefrekes, Frankreichs Torfrau Berangere Sapowicz hatte keine Chance (25.).

Auch auf französischer Seite wurde es erstmals nach einem ruhenden Ball brenzlig, den Freistoß von Louisa Necib klärte Nadine Angerer mit beiden Fäusten. Die folgende Ecke sollte der Ausgangspunkt für den zweiten Treffer werden – allerdings nicht so wie sich die Französinnen das wohl vorgestellt hatten.

Die Hereingabe wurde schnell geklärt, der folgende Konter landete im zweiten Anlauf bei Simone Laudehr auf der linken Seite. Ein Übersteiger, ein kurzer Antritt, eine präzise Flanke – in der Mitte stand Inka Grings da, wo eine Torjägerin stehen muss und vollendete per Kopf zum 2:0 (32.).

Und weil es so gut funktionierte wurde auch die nächste Torchance mit einem hohen Ball vorbereitet – und das wohlgemerkt bei einer französischen Innenverteidigerin namens Wendie Renard mit einer stolzen Körperhöhe von 1,87 Meter. Der Versuch der 14 Zentmeter kleineren Célia Okoyino da Mbabi war aber kein Problem für Sapowicz (38.).

Deutschland agierte weiter dominant, erspielte sich bis zur Halbzeit 60 Prozent Ballbesitz und hielt die „Equipe“ so effektiv vom eigenen Tor weg – gegenüber dem spielerischen Armutszeugnis gegen Nigeria eine eklatante Steigerung.

Seite 1:

Deutschland stürmt gegen Frankreich zum Gruppensieg

Seite 2:

Grings als Vorbereiterin und Vollstreckerin

Kommentare zu " Turbulenter Vorrundenabschluss: Deutschland stürmt gegen Frankreich zum Gruppensieg"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Zu viel Aufsehens von medialer Seite. "Man(n)" möchte die Öffentlichkeit Glaubens machen, dass die Euphorie die selbige sei, wie bei einer Männer-WM. Meine Kids wollen weder Panini-Bilder, noch Trikots von den Mädels. Autokorsos wird es wohl auch kaum geben. Alles scheint verzwungen und aufgesetzt. Tradition und Heldenmythos anno Bern 54 gibt es aber nunmal nur bei den Herren der Schöpfung! Auch wenn das in Deutschland zwanghaft forcierte, schon abstruse Gendering es gerne anderst darstellen möchte!

  • um dieses Spiel herausragend oder "Werbung" zu nennen, muss man Frauenfussball wohl mit anderen Augen betrachten als Herrenfussball -zumindestens mit meinen Augen fehlte mir der Blick gestern, um Spannung zu spüren. "Sportlich betrachtet könnte ich nicht mithalten, auch beim Männerfussball gibt es nicht ansehliche Spiele", ging mir gestern beim ersten mal Frauenfussball gucken durch den Kopf. Natürlich habe ich pflichtgemäß auf dem Partymeter mitgejubelt. Stimmung wurde uns ja auch Dank der Medien konditioniert. Beim gucken entand kein direkter Vergleich mit dem Männerfussball, nur ist man doch bei weitem was anderes gewohnt. Jetzt stellt sich für mich nur noch die Frage, wie der Autor so begeistert sein kann? Wenn es um Leistung geht, ist mE nach jedes Regionalligaspiel temporeicher, präziser, spritziger, usw.... Von dem was ich bisher gesehen habe, ist die WM eine Farce und unfair zu Frauen. Da gucke ich lieber Frauentennis. Ist zwar auch langsamer, geht dafür aber nur über 2 Gewinnsätze und keiner regt sich (zu Recht) darüber auf.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%