Aachens Liga-Kicker vor Umwandlung in GmbH
Alemannia steht vor turbulenter Versammlung

Der deutsche Profifußball ist gar nicht so „professionell“ wie man glauben mag. Zwar setzen die Klubs Millionen um, doch immer noch steuern in vielen Fällen eingetragene, gemeinnützige Vereine die Geschicke – häufig arbeiten die Verantwortlichen sogar ehrenamtlich.

Der Vorstand von Alemannia Aachen möchte das ändern und die Fußball-Abteilung in eine Kapitalgesellschaft ausgliedern, wie es einige der 36 Vereine der 1. und 2. Bundesliga bereits getan haben. Heute Abend entscheidet darüber die Mitgliederversammlung der Alemannia.

Auf der dürfte es hoch her gehen. Denn das so dröge klingende Thema „Umwandlung der Profi-Abteilung in eine Kapitalgesellschaft“ birgt Sprengstoff. Vor allem im Verhältnis des Vereins zu seinen Mitgliedern und Fans. Das hatte im vergangenen Jahr auch die Führung des Hamburger SV zu spüren bekommen. Die Mitglieder sprachen sich nach hitziger Debatte zum Entsetzen der Verantwortlichen mehrheitlich gegen eine Umwandlung aus. Das Thema ist damit vom Tisch, der HSV bleibt ein Verein.

Auch in Aachen erntet der Vorstand bei den Mitgliedern keine einhellige Zustimmung. „Ich rechne damit, dass der Verein die Mehrheit knapp bekommen wird“, sagt Achim Foki, Sprecher der Interessengemeinschaft der Alemannia Fans. Um gleich hinzuzufügen: „Ich werde aber dagegen stimmen.“

Es sind vor allem emotionale Gründe, die gegen eine Ausgliederung der Profiabteilung in eine GmbH, wie Aachen es plant, sprechen oder angeführt werden. „Alemannia lebt auch eine Tradition, eine Ursprünglichkeit, die sich dem modernen Fußball oft entzogen hat“, sagt Foki. „Ich glaube, viele Mitglieder und Fans fürchten, dass ein Teil dieser Tradition verloren geht.“

Aus wirtschaftlicher Sicht spricht dagegen nahezu alles für eine Umwandlung der Fußball-Abteilung in eine Kapitalgesellschaft, wie sie die Bundesliga seit 1998 erlaubt. Drei Gründe stecken im Kern dahinter: Erstens reduziert sich das Haftungsrisiko deutlich, zweitens kommen die professionellen Strukturen dem Verein zu Gute und drittens erschließt er sich neue Kapitalquellen.

Das Haftungsrisiko hat der Vorstand von Alemannia Aachen schon einmal am eigenen Leibe zu spüren bekommen. Denn 2002 war der Verein fast insolvent. Eine gefährliche Lage für die Vorstandsmitglieder, denn die müssen im Zweifel persönlich für die Misswirtschaft des Vereins gerade stehen. „Wenn wir zum Beispiel Dauerkarten verkaufen oder Spieler verpflichten, ohne sicher sein zu können, dass wir nächste Saison überhaupt antreten oder überstehen können, dann haften die Vorstandsmitglieder dafür persönlich“, sagt Carlo Soiron, damals Schatzmeister und heute Vorsitzender des Verwaltungsrates von Aachen.

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