Abschied vom FC Liverpool
Gerrard sagt Goodbye

Ein letztes „You’ll never walk alone“: Steven Gerrard tritt nach 27 Jahren ab. In seinem letzten Heimspiel an der Anfield Road ist Liverpools Legende unerbittlich wie eh und je. Nun lockt ihn doch das Geld in die USA.
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KölnDass Steven Gerrard Angst hat, kommt höchstselten vor. Dass er es sogar offen zugibt, ist einmalig. Sonst bekannt für seine Hartnäckigkeit, fürchtete sich Gerrard am Samstagabend vor den eigenen Emotionen. Zu seinem letzten Heimspiel standen seine Teamkollegen und die Spieler von Crystal Palace Spalier und geleiteten ihn unter den Klängen von „You’ll never walk alone“ aufs Grün.

Seine drei Töchter begleiteten ihn. Auf der Gegentribüne formten die Fans das Wort „Captain“ in mannsgroßen Lettern. Die Kamera fing einen Liverpool-Anhänger mit feuchten Augen ein – und er war nicht allein. Er versuchte, die Tränen zurückzuhalten, sagte Gerrard vor dem Spiel. Schließlich gilt für den beinharten Mittelfeldhünen vom FC Liverpool, wie für den internationalen Fußballzirkus generell – mit Ausnahme von Cristiano Ronaldo und seinerzeit Andy Möller: Echte Kerl weinen nicht.

„Am schlimmsten wird es gegen Ende des Spiels. Dann, wenn es an der Zeit ist, mich von den Fans zu verabschieden, werden die Gefühle richtig hochschießen“, prophezeite Gerrard. Er sollte Recht behalten. Dass am Ende doch Tränen über sein Gesicht kullerten, hatte nichts mit der 1:3-Niederlage zu tun. Es war schlichtweg ein ganz besonderer Moment in seiner langen Karriere. Gerrard verabschiedete sich vom FC Liverpool in „seinem“ Stadion an der Anfield Road. Es wird auf lange Zeit das letzte Mal gewesen sein.

Gerrard ist eine Konstante im schnelllebigen Premier-League-Alltag. Sein Debüt in der ersten Mannschaft feierte er bereits 1998, seit 2003 trug er die Kapitänsbinde der „Reds“. In Zeiten von Millionen-Deals, steinreichen Scheich-Klubs und immer neuen Transferrekorden sind Fußballspieler zu einer Ware geworden. Dass einem Spieler Geld egal sein könnte, ist heutzutage fast eine Frechheit. Doch der „Kaiser“, wie Gerrard liebevoll genannt wird, ließ sich lange nicht von Millionengehältern locken.

Gerrard blieb beim FC Liverpool, zu dem er im Alter von acht Jahren kam. 27 Jahre lang – eine Ewigkeit für einen Fußballprofi. Ein Leben lang bei einem Verein: Für Gerrard war der FC Liverpool nie nur irgendein Klub. Die „Reds“ und die Stadt waren sein Lebensinhalt, seit der damals glühende Liverpool-Fan aus dem Vorort Huyton 1989 zur Nachwuchsakademie des FC eingeladen wurde. Das allein macht Gerrard einzigartig.

„Steven G“ wollte nie ein Star sein. Den Rummel um seine Person vor dem letzten Heimspiel findet er befremdlich. Dabei verrät ein flüchtiger Blick in Gerrards ganz persönlichen Trophäenschrank, warum er soviel Interesse erweckt. Schließlich ist der Mittelfeld-Terrier englischer Pokalsieger, gewann den Liga Cup, den Uefa-Cup und 2005 sogar die Champions League. Einzig die Premier League konnte er nie gewinnen.

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Das Geld lockte ihn am Ende doch

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