Analysten gelassen
Neuer Fernseher statt Urlaub

Auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 freuen sich nicht nur Millioinen Fans in aller Welt - auch die gebeutelte Wirtschaft des Gastgeberlandes Deutschland hat große Erwartungen. Doch während Gastronomie, Einzelhandel, Getränkeindustrie oder Sportartikelhersteller angesichts der anhaltenden Konjunkturflaute auf kräftige Umsatzimpulse durch das sportliche Großereignis hoffen, haben deutsche Reisekonzerne Krisenpläne in der Schublade.

HB FRANKFURT. In der Branche geht die Sorge um, dass die ansonsten so reiselustigen Deutschen ihren Urlaub im nächsten Sommer wegen Ballack & Co vor dem Fernseher verbringen. Nicht nur Branchenprimus Tui hat deshalb Ideen vorgestellt, um Fans und Verweigerer der Fußball-WM zum Reisen zu reizen.

In internen Marktforschungen der großen Reiseveranstalter wie Tui und Neckermann aus dem Thomas Cook-Konzern heißt es zwar, dass mehr als 60 % der als "Reiseweltmeister" bekannten Deutschen ihre Urlaubsplanung nicht von "König Fußball" abhängig machen würden. Doch kolportiert werden auch Studien, denen zufolge in den WM-Wochen vom 9. Juni bis 9. Juli gerade einmal acht Prozent der Bundesbürger verreisen würden.

"Die Reisebranche erwartet, dass durch die Fußball-WM mancher Deutsche zu Hause bleibt, anstatt zu verreisen", räumt der Deutsche Reiseverband (DRV) ein. Dies dürften nicht nur eingefleischte Fußballfans sein. "Da wird es viele Betriebe geben, die eine Urlaubssperre verhängen dürften: Gaststätten, Hotels, andere Zulieferer, auch Taxi- und Transportunternehmen", sagt Detlef Altmann, Chef von Neckermann Flugreisen.

Skeptisch ist man auch beim Reiseveranstalter Rewe-Pauschaltouristik (ITS, Jahn Reisen, Tjaereborg): Das Unternehmn rechnet für 2006 mit einem gebremsten Umsatzplus durch die Fußball-Weltmeisterschaft. "Viele Bürger werden zu Hause bleiben wollen", sagte Pauschaltouristik-Chef Dietmar Kastner.

Der DRV rechnet dagegen nicht mit einem Verzicht auf Urlaub, sondern nur mit einer zeitlichen Umverteilung. Daher bleibe es auch bei der Wachstumsprognose von vier bis fünf Prozent für das Gesamtjahr. "Der Juni gehört traditionell sicher noch nicht zur Hochsaison. Aber wenn in dieser Zeit vielleicht 500 000 Urlauber aus Deutschland fehlen, kann das für die Branche schon ein Problem werden", sagt ein Touristik-Manager.

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