Anschlag auf den BVB
Warum Fußball-Busse nur Sicherheitsglas haben

Lassen sich Mannschaftsbusse gegen Bomben schützen? Der Anschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund wirft die Frage auf. Doch die Antwort ist gar nicht so einfach, wie eine Anfrage bei den Herstellern zeigt.
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DüsseldorfDer Schock sitzt immer noch tief. Der Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund ist auch ein Angriff auf das Selbstverständnis des Fußballs im Ruhrgebiets. Hier, wo die Spieler gleichermaßen verehrt werden und doch – anders als bei Großclubs wie Real Madrid oder Manchester United – bewusst nahbar bleiben.

Wenige Tage nach dem Anschlag ist die Angst noch nicht verschwunden. Doch in das Gefühl der Unsicherheit mischt sich auch die Erleichterung, dass bei der Explosion der drei Rohrbomben niemand lebensgefährlich verletzt oder getötet wurde.

Dass der Terroranschlag vergleichsweise glimpflich verlief, ist auch den hohen Sicherheitsstandards in modernen Reisebussen zu verdanken. „Wir nutzen kein Panzerglas, aber sehr robustes Sicherheitsglas“, erklärt ein MAN-Sprecher auf Handelsblatt-Anfrage. Im MAN Lion’s Coach L, den Borussia Dortmund nutzt, sind die Scheiben doppelt verglast. Ähnliches gilt für Busse der anderen 11 Bundesligisten, die mit MAN unterwegs sind.

Und auch bei Daimler betont man, alles für die maximale Sicherheit der Insassen zu tun. Mit den Bussen der Schwaben sind unter anderem die deutsche Nationalmannschaft und sechs Bundesliga-Mannschaften unterwegs.

Beide Hersteller betonen, dass die Scheiben moderner Reisebusse robust genug für die meisten wahrscheinlichen Attacken von außen sind. Fliegen Flaschen gegnerischer Fans, gehen die Fenster in der Regel nicht zu Bruch. Selbst als beim Dortmunder Auswärtsspiel in Köln vor sieben Jahren ein Felsbrocken auf den Bus geworfen wurde, kamen die Spieler mit dem Schrecken davon.

Doch vollständigen Schutz gegen einen Terroranschlag mit militärischem Sprengstoff gibt es nicht. Denn einen Bus mit Panzerglas zu verkleiden, sei zwar technisch möglich, doch gesetzlich schwierig umsetzbar, betonen beide Hersteller.

Im Falle eines Unfalls müssten Sicherheitskräfte oder Insassen die Fenster zum Notausstieg einschlagen können, wenn die Türen blockiert sind. Ein verstärktes, militärtaugliches Chassis würde damit maximal das Gewicht erhöhen, aber nicht unbedingt die Absicherung gegen Terroranschläge.

Ohnehin ist ein Sprengstoffanschlag auf einen Bus ein sehr unwahrscheinliches Szenario. „Bis vorgestern hätten wir uns ein solches Ereignis nicht vorstellen können“, sagt ein MAN-Sprecher. Bei der der Entwicklung der Sicherheitssysteme stehe der wahrscheinlichere Fall eines Verkehrsunfalls in Zentrum. Mögliche Konsequenzen aus dem Terroranschlag von Dortmund hat das Unternehmen noch nicht gezogen. Dafür sei es noch zu früh.

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