Anstoss – Die Bundesliga-Kolumne
Auch billige Fußballer schießen Tore

Während der HSV in alte Verhaltensmuster verfällt, erkämpft sich das Paderborner Kollektiv den ersten Sieg der Bundesligageschichte – und das nicht etwa glücklich, sondern verdient. Ein Ausrufezeichen aus Ostwestfalen.
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DüsseldorfDass der SC Paderborn nicht der Viererbob von Jamaika, sondern „eine Mannschaft mit einem klaren, eindeutigen Plan“ sei, wusste HSV-Trainer Mirko Slomka bereits vor der Partie seiner Elf gegen die Ostwestfalen am Samstag. Dass die Mannschaft von Trainer André Breitenreiter den ersten Dreier der Paderborner Bundesligageschichte gegen die Hanseaten einfahren würde, ahnte Slomka zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Zwei Spiele, vier Punkte: Der Underdog der Liga legt einen Senkrechtstart hin. In Paderborn steht das Kollektiv über dem Individuum: Der Elferbob aus Ostwestfalen spielte, wie am ersten Spieltag gegen den FSV Mainz 05, mutig nach vorne und setzte den Hanseaten ein ums andere Mal mit schnellen Angriffen und zermürbendem Abwehrverhalten zu.

Mit schnörkellosem und effektivem Fußball bewiesen die Paderborner eindrucksvoll ihre Bundesligatauglichkeit und stürzten Bundesliga-Dino Hamburg in die nächste Krise. Mit einem Ausrufezeichen antwortete die Breitenreiter-Elf allen Skeptikern, die in den Ostwestfalen bereits vor Saisonstart die neue Schießbude der Liga sahen.

Trotz eines Mini-Etats lassen die ersten Bundesligaauftritte der Paderborner auf eine längere Verweildauer im deutschen Oberhaus hoffen. Anders ist die derzeitige Punktegleichheit mit dem Deutschen Meister FC Bayern nicht zu interpretieren. Trainer Breitenreiter sieht das hingegen anders. Er bezeichnete seine Elf bereits vor Saisonstart als den „krassesten Außenseiter aller Zeiten“.

Kein Wunder: Der Verein gab so gut wie kein Geld aus, um für die Bundesliga aufzurüsten. Die Mannschaft ist im Vergleich zur letzten Saison kaum verändert. Einer der wenigen Neuzugänge bewies am Samstag jedoch sofort Durchschlagskraft: Moritz Stoppelkamp, der Rekordtransfer des SC – mit einem Kaufpreis von gerade einmal 700.000 Euro.

Flügelflitzer Elias Kachunga, der mit dem Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang zu den Sprintkönigen der Liga gezählt wird, kam für 300.000 Euro aus Gladbach. Lachhaft verglichen mit Spitzenklubs wie dem FC Bayern, der nebenher einen Mittelklasse-Verteidiger aus Rom für 26 Millionen Euro ordert und Xabi Alonso aus dem Hut zaubert.

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Blitzstart für einen Nachwuchsstürmer

Kommentare zu " Anstoss – Die Bundesliga-Kolumne: Auch billige Fußballer schießen Tore"

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  • Tja, das hat außer dem HSV bisher noch kein Verein geschafft, mit 27 Punkten nicht abzusteigen. Da können sich alle anderen, die in den Jahren zuvor mit 32 Punkten abgestiegen sind, noch so ärgern, ist aber trotzdem so. Ätsch.

    Für HSV-Fans (ich z.B. schon von Geburt an durch Vater und Opa) ist das Leid seit geraumer Zeit in der Tat immens ...

    Dennoch hat die schwache Vorstellung am Samstag nochmal extra doll weh getan.

    Aber nach so viel jahrelangem Murks in allen Bereichen kann der eingeleitete Neuaufbau sicherlich nicht schon am 2. Spieltag sichtbar sein.

    Abgerechnet wird nach dem 34. Spieltag ...

  • Man muss den HSV auch mal loben , schliesslich setzen sie alles in Bewegung ihren alten Relegationsplatz vom letzten Jahr auch diese Jahr zu halten. Das ist Großartig und sollte
    auch so gewürdigt werden.

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