Anstoß – die Fußball-Kolumne
Jetzt vergiss doch mal das Bayern-Gen, HSV

Mit einer unverschämten Portion Glück hält der Hamburger SV die Klasse. Das Spiel gegen Karlsruhe wirft aber die Frage auf: Welche Klasse überhaupt? Der HSV muss jetzt endlich aufhören, wie die Bayern sein zu wollen.
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DüsseldorfSchiedsrichter Manuel Gräfe hatte vielleicht nicht die beste Aktion seiner bisherigen Laufbahn. Bis zur 91. Minute des Relegationsspiels zwischen dem Karlsruher SC und dem Hamburger SV sah es so aus, als könne der Zweitligist den Bundesliga-Dino aus dem Norden erstmalig in der Fußballgeschichte in das Fußballunterhaus schicken. Doch dann pfiff Fifa-Referee Gräfe einen Freistoß für den HSV. Er sah ein Handspiel des Karlsruhers Meffert, der sich in der Situation wahrscheinlich den Arm hätte auskugeln müssen, um dem Pfiff Gräfes zu entgehen. Du kannst rennen, aber Du kannst Dich nicht verstecken.

Die Folge: Ein zumindest streitbarer Freistoß wird von Hamburgs Marcelo Díaz in den linken Winkel geschweißt. Der HSV hatte den Chilenen extra für solche Szenen im Winter aus Basel geholt. Als sich dann in der 115. Minute die Verpflichtung von Mainz‘ Nicolai Müller als gekonntes Langfristmanöver entpuppte, war klar: Der Bundesliga-Dino ist dem Abstiegsgespenst schon wieder entkommen.

Es ist ungerecht, dass nach insgesamt 36. Ligaspielen, zwei davon K.o.-Duelle, ausgerechnet das Glück über Abstieg und Nichtabstieg entschied. Ungerecht für den KSC, der nach Jahren der Bedeutungslosigkeit am Aufstieg und damit der Sanierung des maroden Wildsparks schnupperte. Ungerecht für Fußball-Deutschland, das sich in den vergangenen Monaten beim Hamburger Wahnsinnsverein in Schadenfreude übte. Ungerecht sogar für den HSV selbst, dem es sportlich sogar gutgetan hätte, den Ballast der ewigen Ligazugehörigkeit endlich einmal abzuschütteln.

Faktisch ist nicht nur den Fans egal, wie der Klassenerhalt zustande gekommen ist, sondern auch den Klubbossen und Investoren. Denn in Hamburg ist die Erstklassigkeit so in den Genen verankert, dass das gesamte Geschäftsmodell fahrlässig darauf ausgerichtet ist. „Bayern-Gen“ ist ein Stichwort, was seit zehn Jahren regelmäßig beim HSV fällt. Spieler wie Marcell Jansen sollten es nach ihrem Wechsel von der Isar an die Alster mitbringen. Auch Ex-Trainer Thorsten Fink sollte dem zusehends blutleereren Team den Ehrgeiz und das Selbstverständnis des FCB einhauchen.

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  • Wenn man aus 2 Metern Entfernung durch einen Gewaltschuss angeschossen wird, wobei die Hand sichtlich nicht zum Ball geht, muss man da in der 90. Minute einen Freistoß in Strafraumnähe pfeifen? Wenn er ihn nicht gegeben hätte, würde vermutlich weniger Diskussionsbedarf bestehen. Die Leistung des HSV, über beide Spiele gesehen und die ganze Saison, war unterirdisch und damit haben sie den Klassenerhalt nicht verdient.

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