Ballack-Einsatz gegen Polen fraglich
Traumstart mit Beigeschmack

4:2 für Deutschland gegen Costa Rica im Eröffnungsspiel - der WM-Start ist gelungen, die Republik steht Kopf. Alles könnte so schön sein - wäre da nicht die Geschichte mit der Wade von Michael Ballack. Denn sie offenbart, dass das Vertrauensverhältnis von Kapitän und Bundestrainer nachhaltig gestört ist.

BERLIN/MÜNCHEN. Als Michael Ballack am späten Freitagnachmittag gegen viertel nach fünf den Innenraum der Münchener Arena betrat, hatte er mehr Zeit zum in die Menge grüßen und Autogramme geben, als ihm lieb war. Mit Verweis auf die Einschätzung der medizinischen Abteilung hatte Bundestrainer Jürgen Klinsmann seinen Kapitän auf die Verletztenliste der Fifa gesetzt und ihm den harten Platz auf der Zuschauerbank zugeteilt - obwohl dieser sich am Abend vor dem Spiel fit gemeldet und auf seinen Einsatz gedrängt hatte. Und so posierte Ballack sogar für Erinnerungsfotos und schien fast ein bisschen froh, ein Alibi zu haben, nicht die räumliche Lücke zum ein Paar Meter weiter stehenden Trainergespann Jürgen Klinsmann und Joachim Löw schließen zu müssen.

Doch ein Michael Ballack weiß, dass nach einer Geschichte wie dieser gerade wegen seines Fehlens auf dem Platz alle Augen auf ihn gerichtet sind. Und als habe er direkt bemerkt, dass da auf den direkt hinter den Trainerbänken angesiedelten Presseplätzen bereits von den ersten Beobachtern die räumliche Kluft zwischen ihm, dem "Leader", dem Führungsspieler des deutschen Teams schlechthin, und seinem Coach, dem eigenwilligen, keiner Auseinandersetzung aus dem Wege gehenden Hauptverantwortlichen für das Projekt "WM 2006", in eine persönliche umgedeutet wurde, bemühte er sich fortan um entspannte Gesten - und war knapp eine Stunde später tatsächlich mit Klinsmann im Jubel über das 1:0 von Philipp Lahm wiedervereint.



WM-TIPPSPIEL: Mittippen - und gewinnen!



Beweisen Sie Ihren Fußballsachverstand und messen Sie sich bei unserem WM-Tippspiel mit Ihren Freunden. Einfach ein eigenes Team gründen, Mitspieler einladen und los geht's. Ganz nebenbei gibt es Preise im Wert von mehreren tausend Euro zu gewinnen!



 www.handelsblatt.com/wm-tippspiel



Dass dennoch kaum ein Beobachter nur von misslungener Kommunikation, sondern immer mehr von atmosphärischen Störungen sprechen und auf eine Störung des Vertrauensverhältnisses schließen, daran hat der 29-Jährige einen erheblichen Anteil. Denn die Art und Weise, wie er die Botschaft seiner überraschend kurzfristigen Gesundung am Donnerstagabend verbreitete, war dem Bundestrainer - der hatte immerhin wenige Stunden zuvor noch den Ausfall seines Kapitäns verkündet - gegenüber alles andere als "gentlemen like": Über einen ihm langjährig bekannten Journalisten lancierte der Bald-Londoner die Nachricht, um daraus eine Exklusiv-Schlagzeile im Boulevard werden zu lassen, bevor auch die Nachrichtenagenturen informiert wurden. Keine Rücksprache mit Klinsmann oder Bierhoff, keine Verlautbarung des DFB. Das baute vor dem Eröffnungsspiel zusätzlichen Druck auf den Bundestrainer auf, über den dieser sicher gar nicht glücklich war. Und das, nachdem er bereits vor der WM öffentlich gegen die zugegebenermaßen nach hinten losgegangen Taktik des Bundestrainers im Testspiel gegen Japan (2:2) geschossen und eine defensivere Ausrichtung des deutschen Spiels eingefordert hatte. Ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Bundestrainer und seinem Kapitän gestaltet sich anders.

Seite 1:

Traumstart mit Beigeschmack

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%