Ballon d‘Or
Todlangweilig, aber lukrativ

Lionel Messi ist zum fünften Mal Weltfußballer des Jahres. Schade! Robert Lewandowski oder Jerome Boateng wären mindestens ebenso würdig. Doch am Ende zählen eben Tore und die höchste Bekanntheit. Ein Kommentar.

DüsseldorfDarf es ein wenig mehr Werbewert sein? Werden Sie jetzt Weltfußballer! Es ist, als würde sich eine alte Fußballweisheit in ein etwas krummes Gegenbild wandeln. Denn auch wenn Geld keine Tore schießt, so schießen Tore (irgendwie) doch Geld – in Form von lukrativen Werbeverträgen.

Seit nunmehr acht Jahren dominieren Lionel Messi und Cristiano Ronaldo die Wahl zum Besten ihrer Zunft. In zusammen gut 1100 Spielen haben sie insgesamt rund 900 Tore erzielt. Wer so viel Tore schießt, verkauft sich gut, denn das ist schließlich, was jeder kleine Junge – und zum Glück inzwischen auch reichlich kleine Mädchen – auf dem Bolzplatz machen wollen: Tore schießen.

Wer ein Spiel gewinnen möchte, ein Finale, ein Turnier, der muss früher oder später treffen. Die Tore sind das Magische am Fußball, das, was jeder Fan am liebsten sieht, was das Spektakel ausmacht. Und es ist der einfachste Leistungsnachweis. Statistiken können gelaufene Kilometer, gewonnene Zweikämpfe, geführte Sprints, Ballverluste, Aktionsradius aufführen. Big Data hat im Fußball längst Einzug gehalten.

Spiel und Spieler werden zur optimalen Leistung hin optimiert. Trainer und Vereine, auch die meisten Fans, wissen, dass es auf die Mannschaftsleitung ankommt, von Individualisten veredelt. Dass der Mittelfeldspieler, der in einem Spiel einen Kilometer mehr läuft als alle anderen entscheidender sein kann, als der Stürmer ganz vorne. Doch wenn die Anzeigetafel um- und ein ganzes Stadion aufspringt, zählt im Jubel am Ende doch wieder nur das Tor. Die am besten sichtbare Leistung.

So wundert es auch nicht, dass die Riege der Weltfußballer fast ausschließlich aus Offensivkünstlern besteht. 1991 ging es mit Lothar Matthäus los, damals noch Spielmacher, nicht Libero. Van Basten, Ronaldo, Zidane, Kaka. Jetzt eben Messi und Cristiano Ronaldo, die mit dem Titel Hochhalten spielen.

Schon der taktisch und spielerisch überragende Franz Beckenbauer stand meist im Schatten von Pelé, der auf hohem Konkurrenzniveau durch seine Tore zum Weltstar wurde. Heute sind es Typen wie Philipp Lahm, die im Popularitätswettbewerb mit den Stürmern keine Chance haben.

Fünfmal ist Lionel Messi jetzt schon ausgezeichnet worden: Der kleine Mann, der am Ball fast alles kann und dafür praktisch von jeder Defensivarbeit befreit ist; dessen gesamtes Team, im Verein wie in der Nationalmannschaft, darauf hinarbeitet, dass die Tore fallen. Die Wahl treffen Jahr für Jahr die Trainer und Mannschaftskapitäne der Nationalmannschaften, hinzukommen ausgewählte Journalisten.

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Todlangweilig, aber lukrativ

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Gewinner sind die Ausrüster

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