Beckham verletzt
Real plagen Selbstzweifel

dpa MÜNCHEN. Die Pizza, die Fabio Cannavaro auf dem Foto gerade verzehren möchte, ist dem Wappen des FC Bayern München nachempfunden. „Wir wollen die Bayern verschlingen“, verkündet der Italiener vollmundig vor dem Champions-League-Spiel seines Clubs Real Madrid in München.

„Für mich ist die Rückkehr nach Deutschland etwas Besonderes, denn dort bin ich im Sommer mit Italien Fußball-Weltmeister geworden. Jetzt will ich mit Real ins Viertelfinale der Champions League einziehen“, sagte der Nationalspieler, der Oliver Kahn & Co. mit seinem Heißhunger nicht beeindrucken konnte. „Ein bisschen Polemik gehört dazu. Kleine Nickligkeiten sind Bestandteil des Fußballs“, sagte Kahn.

Der Optimismus, den der Welt-Fußballer Cannavaro zur Schau trägt, wirkt jedoch aufgesetzt. Das Foto auf dem Titel des Madrider Sportblatts „Marca“ von dem Real-Abwehrchef und der Pizza ist gestellt, die Wirklichkeit sieht für Real nicht rosig aus. Die Madrilenen plagen vor dem Achtelfinal-Rückspiel erhebliche Selbstzweifel, wenngleich sie sich Mut zureden: Das 3:2 aus dem Hinspiel ist ein mageres Polster, die Generalprobe beim 1:1 gegen Bernd Schusters FC Getafe ging daneben, und zu allem Überfluss verletzten sich José Antonio Reyes und David Beckham so schwer, dass beide einen Monat pausieren müssen. Dennoch tönte Abwehrspieler Ivan Helguera gut 24 Stunden vor dem mit Spannung erwarteten Match: „Wir haben mit Sicherheit nicht die Hosen voll.“

Allerdings versetzte Beckhams Ausfall den Hoffnungen des spanischen Rekordmeisters einen gehörigen Dämpfer. Der Engländer, den Trainer Fabio Capello erst aus dem Kader geworfen und später begnadigt hatte, sollte mit seiner Erfahrung dem Mittelfeld der „Königlichen“ die notwendige Stabilität geben. Im Hinspiel hatte „Becks“ trotz seines anstehenden Wechsels in die USA eine Weltklasse-Leistung geboten. „Beckham ist ein sehr guter Spieler, aber wir machen uns keine Sorgen, seinen Ausfall nicht kompensieren zu können“, meinte zumindest Capello, der sich nicht nur auf die Defensive verlassen möchte. „Wir werden auf jeden Fall versuchen, selbst ein Tor zu schießen.“

Das Mittelfeld der Madrilenen sei so dünn geworden wie der Schinken, den Capello sich nach dem Training servieren lasse, stellte die Zeitung „El País“ fest. „Capellos Schinkenscheiben sind fast durchsichtig.“ Doch Beckhams Fehlen ist nicht das einzige Problem. Der Brasilianer Emerson, der eigentlich eine Schlüsselrolle spielen sollte, erwies sich als eine riesige Enttäuschung. Nachdem er im Bernabéu-Stadion mehrfach ausgepfiffen worden war, verweigerte der Ex-Leverkusener im Hinspiel gegen die Bayern gar seine Einwechslung.

„Die Mannschaft empfand diese Haltung als unsolidarisch, egoistisch und feige“, schrieb „El País“. Sportdirektor Pedja Mijatovic vergab dem Brasilianer jedoch und teilte mit, Emerson habe mit Capello einen „Pakt“ geschlossen. Dieser dürfte nach Vermutungen der Presse darauf hinauslaufen, dass der Spieler nur noch auswärts eingesetzt wird, um ihm die Pfiffe des eigenen Publikums zu ersparen. „Wir werden sehen, ob ich den Veteranen aufstellen werde“, sagte Capello mit einem Schmunzeln.

„Wenn Real in München weiterkommt und am Samstag das Derby beim FC Barcelona gewinnt, wird in Madrid niemand mehr von einer Krise reden“, weiß die Zeitung „El Mundo“. Sie räumt aber zugleich ein: „Selbst eingefleischte Real-Fans geben zu, dass diese Möglichkeit so unwahrscheinlich ist wie eine Wiederholung der jüngsten Mondfinsternis.“

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