Fußball
Bierhoff will Lincoln nicht im DFB-Dress sehen

Ein Einsatz des Brasilianers Lincoln für die deutsche Nationalmannschaft ist für Teammanager Oliver Bierhoff kein Thema: "Ich bin kein Freund davon, dass man sich eine Nationalmannschaft zusammenkauft", sagte Bierhoff.

Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff hat den Plänen des brasilianischen Fußballprofis Lincoln von Bundesligist Schalke 04, der sich selbst für die deutsche Nationalmannschaft ins Gespräch gebracht hat, eine klare Absage erteilt. "Es muss natürlich noch mit den Trainern darüber geredet werden. Aber bei allem sportlichen Ehrgeiz sollte man immer auch zusehen, dass ein Bezug zu Deutschland besteht. Ich bin kein Freund davon, dass man sich eine Nationalmannschaft zusammenkauft", sagte der frühere DFB-Kapitän der WAZ.

Joachim Löw, der Assistent von Bundestrainer Jürgen Klinsmann, sagte dem Sport-Informations-Diens (sid) am Montag, dass man im Trainerstab über dieses Thema noch nicht gesprochen habe. "Wir werden vielleicht in der nächsten Woche mal grundsätzlich darüber sprechen, wie wir mit solchen Dingen verfahren. Es gab ja immer wieder so Fälle wie zum Beispiel bei Ailton oder Dede." Die Nationalmannschaft trifft sich am Dienstag kommender Woche (30. August) in Berlin, um sich auf das Länderspiel in der Slowakei am 3. September vorzubereiten.

Der Geschäftsführende DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger äußerte sich im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) ebenfalls skeptisch: "Wenn einer, der in seiner eigenen Nationalmannschaft keine Chance sieht, auf diesem Weg zur WM möchte, dann halte ich das für bedenklich." Wenn seine Motive für eine Einbürgerung allerdings darin bestehen würden, dass er sich mittlerweile als echter Deutsche fühle, er die hiesigen Gebräuche und die Kultur so weit verinnerlicht habe, dass er deutscher Staatsbürger werden wolle, dann stünde ihm wie jedem Deutschen die Tür zur Nationalmannschaft offen.

Auch Rangnick skeptisch

Lincolns Vereinstrainer Ralf Rangnick meinte zu den Plänen seines Mittelfeldstars in der Bild-Zeitung: "Ich schätze Lincoln sehr. Doch wer für Deutschland spielt, muss eine wirkliche Bindung zum Land haben - wie Gerald Asamoah, der hier aufgewachsen ist." Der ehemalige DFB-Teamchef Rudi Völler hält ebenfalls nichts davon, Lincoln einzubürgern und dann ins Nationalteam zu holen: "Ich kann nur warnen. Wenn Lincoln sich für Deutschland entscheidet, sich dazwischen aber die Brasilianer melden, dann kippt Lincoln um." Lediglich Münchens Manager Uli Hoeneß hatte sich positiv zu Lincolns Ansinnen geäußert: "Wenn Lincoln Deutscher werden will, dann soll er das tun. Denn einen Spieler wie ihn können wir sehr gut in der Nationalmannschaft gebrauchen."

Lincoln hatte sich in der Bild am Sonntag bei Bundestrainer Jürgen Klinsmann angeboten. "Mein Lebensmittelpunkt liegt jetzt in Deutschland. Ich bin fast fünf Jahre hier, ich weiß, wie die Deutschen ticken, ich kenne deren Mentalität", sagte der 26-Jährige, der derzeit nach seiner Spuckattacke im Ligapokal-Finale gegen den VfB Stuttgart (1:0) noch gesperrt ist. "Wenn Klinsmann mich anrufen würde, wäre das sofort aktuell. Die deutsche Nationalmannschaft ist jetzt wirklich ein Thema für mich", so der Brasilianer, der seit 2001 in Deutschland lebt, weiter.

© SID

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