Blatter beim Fifa-Kongress
„Wir brauchen keine Revolution, wir brauchen Evolution“

Es wird ernst in Zürich: Der Fifa-Kongress kürt zur Stunde den Verbandspräsidenten. Herausforderer al Hussein bleibt mit seiner Rede blass. An Sepp Blatters Stuhl rüttelt inzwischen aber auch die deutsche Kanzlerin.
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ZürichDie Wahl, sie geht in ihre heiße Phase. Zur Stunde stimmen die Fifa-Delegierten über den alten oder womöglich neuen Präsidenten ab. Doch zuvor gibt es noch Reden der einzigen Kandidaten. Und Sepp Blatter wählt große Wirte. „Ich trete mit großer Emotion hier vor Ihnen", beginnt der Fifa-Präsident langsam. Er redet frei, blickt die Delegierten direkt an. „Wir brauchen keine Revolution, wir brauchen eine Evolution“, stellt Blatter fest. Es ist wohl seine beste Rede an diesem Tag. Er wirkt kämpferisch, im Laufe des langen Kongresses hat sich seine anfängliche Anspannung etwas gelöst.

„Die vergangenen Tage wurde ich für den Sturm verantwortlich gemacht. Gut, ich nehme diese Verantwortung an“, ruft er. „Ich will mit Ihnen zusammen die Fifa verändern. Um am Ende meines Mandats eine starke Fifa zu hinterlassen, die den Sturm hinter sich gelassen hat“, sagt Blatter und fährt fort: „Das wird eine starke Fifa sein. Das verspreche ich Ihnen. Aber dazu brauche ich Sie, das kann ein Mann nicht alleine.“ Er wolle gegen Korruption, aber auch gegen Diskriminierung und Spielmanipulationen vorgehen. Blatter kündigt an, dass es innerhalb der Fifa künftig eine Extra-Abteilung für den Profifußball geben soll. Damit will Blatter offenbar die großen Clubs besser an sich binden.

Der Fifa-Präsident präsentiert sich nicht nur als Chef-Reformer, sondern auch erneut als Friedensvermittler – und verwies auf den „historischen Händedruck“ zwischen den Verbandspräsidenten Israels und Palästinas. Nun macht er am Ende doch Wahlkampf: „Mit mir wissen Sie, woran Sie sind. Ich möchte nur einfach bei Ihnen bleiben“, ruft er mit ausgebreiteten Armen ins Plenum. Dafür erntet Blatter sogar Applaus, auf der Pressetribüne brechen dagegen einige britische Sportjournalisten in höhnisches Gelächter aus. „Der Fußball braucht jetzt einen erfahrenen Anführer. Ich stehe Ihnen zur Verfügung“, schließt Blatter.

Als erstes tritt zuvor Prinz Ali bin al Hussein von Jordanien ans Rednerpult, Blatters einziger Gegenkandidat: „Die Fifa ist mehr als eine Sportorganisation. Wir sind die Wächter über diesen Sport“, beginnt er seine Rede.

Enthusiastisch klingt er bei der wohl wichtigsten Rede seines Lebens aber nicht. Er liest sie stur vom Blatt ab, seine Stimme klingt monoton. Was er konkret ändern will, bleibt vage. Er bittet um die Stimmen des Kongresses, erklärt aber nicht, warum sie ihn wählen sollen. Von seiner Redezeit von 15 Minuten lässt er über vier Minuten ungenutzt. „Unsere Reputation kommt nur durch die Aktionen, die wir vornehmen“, sind Sätze aus der Rede, die so beispielhaft wie schematisch sind. „Heute ist der erste Tag, um den Wechsel einzuleiten“, sagt der Prinz und empfiehlt sich als entschlossenen Anführer, der die Fifa aus dem Schlamassel, in dem sie steckt, befreien kann.

Er verspricht Präsenz: „Ich werde mich nicht verstecken, wenn Dinge schief laufen.“ Die Fifa sei keine Firma, sondern eine Service-Organisation für ihre Mitglieder. Er verspricht bessere Governance-Regeln und klarere Finanzströme. Wie er das jedoch konkret bewerkstelligen will, lässt er offen. Blatters Rede folgt auf den Fuße.

Kommentare zu " Blatter beim Fifa-Kongress: „Wir brauchen keine Revolution, wir brauchen Evolution“"

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  • >> Die Polizei habe den Saal während der Mittagspause durchsucht und nichts gefunden. „Der Kongress wird daher fortgesetzt.“ <<

    Alle Aufregung ist umsonst. Die Amis verrichten wieder mal eine sehr dilettantische Arbeit.

    Pate Blatter wird wieder gewählt und die WM in Russland wird statt finden.

    So ist das.

    Der Putsch bei der FIFA ist gescheitert. Auch dank Blatter.

    Die Briten hätten die WM 2018 SEHR GERNE in ihrem Lande gesehen. Daraus wird nichts ! Und das ist gut so !

    Blatter ist kein Dominique Strauss Kahn : dem Alten kann man keine Putzfrau ins Hotelzimmer werfen...der scheißt darauf ! Auch Bombendrohungen beeinflussen den nicht.

    Hier haben die Amis einen ECHTEN Schweizer Querkopf zum Gegner....und bei dem scheitern sie.....wie in der Ukraine, im Nahen Osten, sonnst wo auf der Welt.

    Die Spielchen der Amis sind sehr billig und simpel gestrickt, leicht durchschaubar und lächerlich. Das sind bereits Zuckungen nach dem Ableben.



  • Die eigentliche Bombe sitzt mitten im Saal und heisst Sepp Blatter :-)

  • Die FIFA gehoert endlich aufgeloest und durch eine neue Organisation mit vernuenftigen Strukturen ersetzt - nur ein neuer Praesident bringt gar nichts. Wenn England und Spanien aus der FIFA austreten ist Vortrag Ende fuer diesen unsaeglichen Verein. Was ist die Hauptattraktion Champions Leguae ohne England / Spanien - nichts . So einfach ist das. - Herr Rauball - von wegen Boykott bringt nichts - fuer wen?

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