Borussia Dortmund
Die neue Welt des Thomas Tuchel

Drei Säulen des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund sind weg. Doch BVB-Coach Thomas Tuchel jammert nicht. Er wagt den Neuanfang und geht ins Risiko – mit jungen Spielern. So wie einst Jürgen Klopp. Eine Analyse.

Wirtschaftlich hätte es nicht besser laufen können für Borussia Dortmund: Die Ablösesummen für Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Henrikh Mkhitaryan spülen 110 Millionen Euro in die Kasse des Fußball-Bundesligisten. Sportlich steht der BVB jedoch damit vor einem großen Umbruch, denn es fehlen drei Weltklassespieler, die auf dem Platz und im Mannschaftsgefüge enorm wichtig waren.

Trainer Thomas Tuchel sprach daher auf seiner ersten großen Pressekonferenz nach dem Trainingsauftakt von einem „instabilen“ Gefüge, das er nun trainiere. „Das sind mehr als normale Abgänge. So eine Mannschaft ist ein sehr sensibles Gebilde“, analysierte er. Die Drei hätten „Sicherheit“ gegeben. „Da fehlen uns auf jeden Fall Säulen. Wir verlieren weltweites Topniveau.“

Zum Jammern ist Tuchel dennoch nicht zumute. „Wir müssen anerkennen, dass wir an Grenzen gestoßen sind“, räumt er schonungslos ein. „Es gibt Klubs, die einen noch größeren Reiz ausüben, die noch eine Stufe über uns stehen, wirtschaftlich und von der Strahlkraft her.“ Gemeint sind Manchester United, Manchester City und Bayern München.

Zum Vergleich: Alle drei besitzen Kader, deren Transferwert sich auf mindestens 200 Millionen Euro mehr beläuft als der des aktuellen Dortmunder Teams. Alle drei setzen mindestens 180 Millionen Euro mehr pro Jahr um als Borussia Dortmund, wie der jüngste Vergleich der Beratungsgesellschaft Deloitte ergab. Sie besetzen damit im internationalen Fußballgeschäft die Plätze drei bis sechs. Dortmund ist wirtschaftlich nur die Nummer elf in Europa, wo alle Topklubs beheimatet sind (Umsatz: knapp 280 Millionen Euro).

Wo die deutsche Nummer zwei sportlich steht, ist derzeit dagegen nicht einzuschätzen. Das räumt Tuchel auch ganz offen ein. „Der Weg, den wir einschlagen, ist sehr jung. Es ist ein riskanter Weg.“ Er hofft, dass dieses Risiko am Ende belohnt wird. Er will wettbewerbsfähig bleiben – mit Spielern, die sich „mit Haut und Haaren zum BVB bekennen“. Ob das klappt? BVB-Chef Hans Joachim Watzke gibt ihm die nötige Zeit.

Im schlimmsten Fall müssen die Fans jedoch viel Geduld aufbringen, so wie in der letzten Saison von Jürgen Klopp, als es auch erst gegen Ende funktionierte. Das will sich Tuchel natürlich ersparen – auch wenn er im Moment tief stapelt: „Ich kann nicht sagen, wie wir die drei Abgänge ersetzen können. Wir werden keinen dieser Spieler eins zu eins ersetzen können – weder spielerisch noch von der Persönlichkeit her.“

 

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Trost für Tuchel

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