Borussia Dortmund
Eine Stadt zittert um ihr Aushängeschild

Mit dem Rückrunden-Auftakt bei Bayer Leverkusen soll für den BVB in der Fußball-Bundesliga vieles besser werden. Doch die Dortmunder sind nach der desaströsen Hinrunde skeptisch. Denn es geht um mehr als nur um Fußball.
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DortmundWenn Omid Ghorbanazar an Bundesliga-Spieltagen seine „Ratsschänke“ in der Dortmunder Innenstadt öffnet, strömen die Fans von Borussia Dortmund in Massen an den Tresen. Ob zur Einstimmung vor dem Spiel, zum gemeinsamen Rudelgucken oder einem Absacker nach dem Sieg – der Dortmunder Gastwirt, der auch einen BVB-Fanclub mit 50 Mitgliedern leitet, freut sich in den vergangenen Jahren regelmäßig über eine volle Kneipe.

Doch mit der verkorksten Hinrunde des BVB kippt die Stimmung unter den Fans. „Wir brauchen das Ganze gar nicht schön reden“, stellt Ghorbanazar in typischer Ruhrgebietsmanier fest. „Die Kommunikation zwischen Jürgen Klopp und der Mannschaft funktioniert einfach nicht.“ Woanders wäre der Trainer schon längst entlassen worden. In Dortmund halte man zu lange an ihm fest, glaubt der 45-Jährige.

Solche Sätze hätte man vor einem halben Jahr wohl von keinem BVB-Fan gehört. Mit der Meisterschaft 2011 und dem Double-Gewinn 2012 hatte sich Klopp in Dortmund bereits ein Denkmal gesetzt. Nicht zuletzt begeisterte der schön anzuschauende Hochgeschwindigkeitsfußball seiner hochbegabten Kicker die gesamte Republik und auch Europa.

Die Dortmunder waren nach schweren Jahren wieder mächtig stolz auf ihre Borussia – immerhin das Aushängeschild der Stadt schlechthin. Und die Bedeutung des Fußballs reicht noch weiter. Er gibt der Stadt nicht nur eine Identität, sondern ist auch ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor in einer Region, die sich immer noch im sozialen Wandel befindet und von hoher Arbeitslosigkeit gebeutelt ist.

Als international leuchtende Marke ist Borussia Dortmund somit unverzichtbar für die 580.000-Einwohnerstadt – vor allem, um Menschen aus aller Welt zu locken. „Der BVB ist ganz sicher einer der touristischen Magnete der Stadt und liefert mit seinen Spielen einen konkreten Reiseanlass“, sagt Thomas Westphal, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Dortmund.

Immerhin macht die Dortmunder Tourismusbranche nach Angaben der Stadt insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro Umsatz. Mit knapp 90 Prozent verbuchen Tagestouristen, wie es beispielsweise Fußballfans sind, den mit Abstand größten Anteil daran.

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