BVB
Eine Niederlage als Randnotiz

Die Reaktionen nach Abpfiff sprechen Bände: Der BVB hat das verlegte Spiel gegen Monaco zwar verloren, doch immerhin ist dieser schwierige Abend nun vorbei. Die Langzeitwirkung dürfte aber jetzt erst einsetzen.
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DortmundWer wissen wollte, wie sich die Hauptdarsteller dieses Abends wirklich fühlen, brauchte nach dem Abpfiff nur in das Gesicht von Nuri Sahin schauen. „In der vergangenen Nacht konnte ich noch nicht realisieren, was passiert ist. Es gibt so viele Dinge auf der Welt, die wichtiger sind als Fußball. Und vergangene Nacht haben wir das gemerkt“, sagte Dortmunds Mittelfeldspieler mit leerem Blick in die Kamera. „Ich werde diese Gesichter nie in meinem Leben vergessen. Da bin ich sicher.“

Es wird beinahe zur Randnotiz, dass Borussia Dortmund das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen den AS Monaco im heimischen Stadion verliert. 2:3, knapp, aber verdient. Die Monegassen waren unterm Strich dieses eine Tor besser. Sei’s drum: Irgendwie scheinen alle Beteiligten froh, dass dieser Abend nun vorüber ist. Fußball ist und bleibt nur die schönste Nebensache der Welt.

Schon häufig hat die Südtribüne ihre Mannschaft zu Höchstleistungen gepusht und kleine Fußballwunder erzwungen. Diesmal nicht. Lange sah es danach aus, als sei zumindest ein Unentschieden drin. Die Gäste ließen sich nach dem Abpfiff auf dem Rasen von ihren mitgereisten Fans feiern, auch die Dortmunder ernteten von ihren Anhängern verdienten Applaus.

Weite Strecken der zweiten Halbzeit spielte der BVB totales Powerplay, ähnlich wie in der Ära Klopp – dynamisch, leidenschaftlich, entschlossen. Zwei Tore waren der verdiente Lohn. Einzig: Es stand bereits zur Halbzeit 2:0 für die Gäste aus dem Stadtstaat. Mehrfach hatte Dortmund im ersten Durchgang schlecht ausgesehen. Fürs Weiterkommen braucht es im Rückspiel am Mittwoch eine Herkulesleistung.

Der sportliche Aspekt ist an diesem Abend schnell erzählt. Viel – und das ist auch wirklich gut so – passiert im Stadion und im Umfeld nicht. Doch man würde den besonderen Umständen nicht gerecht werden, würde man diesen Tag einfach abhaken. Dafür ist die Gesamtsituation zu extrem.

Stadionsprecher Norbert Dickel etwa wirkt gehemmt und zurückhaltend. Er ist bei weitem nicht so euphorisch, wie man ihn in seinem Job eigentlich kennt. Die Sprengstoffattacken vom Vortag erwähnt er vor dem Spiel nur kurz. Er tut gut daran, denn die mehr als deutlichen Worte kommen letztlich von den Verantwortlichen.

„Die Mannschaft hätte gern mehr Tage gehabt. Wir fühlten uns komplett übergangen, als es hieß: Morgen seid ihr dran. Wir hatten das Gefühl, dass wir behandelt werden, als wäre eine Bierdose an unseren Bus geflogen“, äußert Trainer Thomas Tuchel. „Es geht heute nicht nur darum, ein Fußballspiel zu absolvieren“, sagt Geschäftsführer Aki Watzke. „Heute stehen die Demokratie und unsere freiheitliche Grundordnung auf dem Prüfstand.“

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