BVB gegen Wolfsburg
Das Südtribünal

Borussia Dortmund hat gegen VfL Wolfsburg gewonnen – trotz leerer Südtribüne. Die Strafe des DFB ist umstritten, klare Meinungen gibt viele – leichte Antworten jedoch keine.
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DüsseldorfBei Borussia Dortmund will es diese Saison einfach nicht rund laufen. Der Klub habe „mehr Baustellen als eine durchschnittliche deutsche Innenstadt“, frotzelte noch am Freitag die „Sportschau“. Tatsächlich ist die Lage beim börsennotierten Traditionsverein unübersichtlicher, als es den Verantwortlichen lieb sein könnte. Sportlich droht das Saisonziel Champions-League-Qualifikation verfehlt zu werden, zuletzt setzte es eine reichlich unangenehme Niederlage bei Tabellenschlusslicht Darmstadt 98. Im laufenden Champions-League-Wettbewerb gab es noch eine eher unnötige Niederlage bei Benfica Lissabon obendrauf.

Eigentlich genau der richtige Zeitpunkt für ein Heimspiel. Für bedingungslosen Rückhalt der 80.000 Zuschauer im Dortmunder Signal-Iduna-Park, allen voran der „gelben Wand“, den 25.000 auf Südtribüne, davon 500 „Ultras“, der härteste Kern der Fanszene. Doch in der Partie gegen den VfL Wolfsburg bleibt die Tribüne einmalig leer. Es ist die Strafe des DFB-Sportgerichts für eine Vielzahl anstößiger, teils strafrechtlich relevanter Spruchbanner in der Partie Dortmund gegen RB Leipzig und Sprechchören im Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim. Der Klub akzeptierte die Strafe, weniger zähneknirschend als in diesen Situationen üblich. Einen Sieg konnte der schwarz-gelbe Verein dennoch einfahren. Am Ende des Spiels stand es 3:0 für Dortmund.

Bei Fans und Kommentatoren sind die Angriffe auf die Leipziger Fans vor zwei Wochen immer noch Thema. Die außerhalb des Stadions erfolgten tätlichen Angriffe wurden durchweg verurteilt, Fans und Verein distanzierten sich kollektiv. Die Angriffe liegen außerhalb der Zuständigkeit der Sportgerichtsbarkeit, die folglich das Betragen im Stadion, darunter Aufforderungen zum Suizid, beurteilt hat. Bei vielen Medien, darunter dem Handelsblatt, gab es Zustimmung für das Urteil. Manche Kommentatoren taten sich allerdings schwer damit, die Sachverhalte auseinander zu halten. Und forderten schon im Vorfeld drakonische Strafen.

Die ausgesperrten Fans, die vom Verein den Dauerkartenpreis anteilig erstattet bekommen, wehren sich allerdings gegen die Kollektivbestrafung von 25.000 Personen. 11Freunde-Chefredakteur Philipp Köster sprach in seiner Kolumne bei N-TV von einer „hysterischen und kenntnisfreien Debatte“. Wie auch immer der Einzelne zur Entscheidung steht, den BVB für die verbalen Entgleisungen im Stadion zu bestrafen, das Urteil wirft ein Schlaglicht auf die Ultraszene und deren Rolle im Profifußball. Dortmund ist nur ein Beispiel von vielen, die die Schwierigkeiten vor allem im Umgang zwischen DFB, DFL und Fans, aber zunehmend auch zwischen Vereinen und Anhängern illustrieren.

Die Szene über den sprichwörtlichen Kamm zu scheren, hilft dabei nicht im Geringsten, die unübersichtliche Gemengelage aufzuklären. Der Großteil der Anhängerschaften und auch der stark engagierten „Ultras“ ist heterogen. Es gibt linke Gruppen, rechte Gruppen, grundsätzlich friedliche Gruppen, gewaltbereite Gruppen, Gruppen, die Pyrotechnik befürworten, Gruppen, die sie ablehnen, Fans, die gar keine Gruppe angehören – Pauschalisierungen treffen niemals mitten ins Schwarze. Oft genug kommt es auch zu Reibereien innerhalb der Fanblöcke. Das kann zum Beispiel wegen brisanter Themen wie Politik im Stadion sein. Handgreifliche Streitigkeiten entzünden sich aber auch an völlig banalen Themen wie der Auswahl der angestimmten Fangesänge.

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