Champions League
Schalke auf der Suche nach dem Killerinstinkt

Will der FC Schalke 04 sich nicht vorzeitig aus der Königsklasse des Fußballs verabschieden, muss am Mittwoch gegen den PSV Eindhoven ein Sieg her. Doch wenn die Mannschaft so spielt wie am Samstag gegen den 1. FC Köln, sieht es eher düster aus.

HB KÖLN. Entsprechend griesgrämig guckt der Manager der Gelsenkirchener nach der Partie im Rhein-Energie-Stadion drein. Rudi Assauers Mundwinkel zeigen nach unten, der Zigarrenstumpen zwischen den Lippen glimmt schon seit mindestens einer halben Stunde nicht mehr. „Wir haben in der zweiten Halbzeit das Spiel von Köln angenommen und haben darüber den Faden verloren“, grummelt er. Aber mit malochen, rennen und grätschen alleine komme man nicht weit. „Da können wir froh sein, dass wir noch 2:2 gespielt haben.“

Knapp war es für die Knappen. Erst in der 86. Minute konnte Schalke durch ein Tor des eingewechselten Ebbe Sand einen Punkt aus Köln retten. Dabei dominierten die Königsblauen die Partie vor allem in der ersten Halbzeit. Schon zur Pause hätten sie haushoch führen können. Als die Kölner dann wie ausgewechselt aus der Kabine kamen und mächtig aufdrehten, fehlte den Schalkern das Rezept. „Da muss man auch mal die Brutalität besitzen und das ausnutzen, wenn der Gegner schon am Boden liegt“, ärgert sich Trainer Ralf Rangnick über die mangelnde Härte seiner Spieler in Halbzeit 1. „Das liegt vielleicht auch am mangelnden Killerinstinkt der Mannschaft.“ Ein hartes Urteil des eigenen Trainers.

Aber wer sollte diesen Killerinstinkt aus den Spielern kitzeln, wenn nicht er? Bis Mittwoch bleibt da nicht viel Zeit. „Wir werden keine Aufsätze schreiben lassen, sondern machen jetzt martialische Kriegsspiele“, kündigt Rangnick an. Aufsätze? Den Seitenhieb auf Trainerkollege Uwe Rapolder konnte er sich nicht verkneifen. Der hatte seinem Spieler Mokhtari eine Strafarbeit zum Thema „Altruismus, Teamgeist und soziale Kompetenz“ angedroht, nachdem der Marokkaner statt auf die freistehenden Podolski und Scherz abzuspielen den Ball ans Außennetz zirkelte und den möglichen Sieg für Köln damit leichtfertig verschenkte.

Der niederländische Meister wird wohl nicht so nachgiebig mit der Schwäche der Schalker umgehen wie der Abstiegskandidat aus Köln. Momentan liegen die Königsblauen auf Tabellenplatz 3 in Gruppe E der Champions League – punktgleich mit dem davor liegenden AC Milan. Der PSV führt mit zwei Zählern Vorsprung. „Es wäre schon ein zusätzlicher psychologischer Vorteil gewesen, wenn wir gewonnen hätten“, bilanziert Rangnick nach der Bundesligapartie. „Aber wir bereiten uns jetzt genauso konzentriert auf das Spiel am Mittwoch vor, wie wir es auch sonst gemacht hätten.“

Einige Zeit nach dem Abpfiff kann Rudi Assauer seiner Mannschaft wenigstens etwas Positives abgewinnen: „Wir haben auswärts in den letzten Monaten in der ersten Halbzeit die besten Spiele abgeliefert.“ Schade nur, dass gegen Eindhoven ein Heimspiel ansteht.

Claudia Schumacher
Claudia Schumacher
Handelsblatt / Redakteur
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