Chinas Super League
Im Reich der tiefen Taschen

Geld kann doch alles sein: Immer mehr Stars wechseln für viel Geld nach China. Das Reich der Mitte will auch im Fußball Weltmacht sein und hat einen Plan. Eine wichtige Rolle spielt das Vermögen der Großunternehmer.

TokioDie Namen lesen sich wie die der neue Traumkader eines europäischen Topklubs: Alex Teixeira, Ramires, Gervinho oder Jackson Martinez. Auch die Transfersummen und die vorherigen Arbeitgeber würden auf Champions League deute: Mittelfeldspieler Teixeira verließ für 50 Millionen Euro Schachtar Donezk, Ramires ging für 32 Millionen von Chelsea London, und Martinez wurde für 42 Millionen von Atético Madrid losgeeist. Demnächst kommt auch noch der Brasilianer Hulk für den asiatischen Ablöserekord von 56 Millionen Euro nach Schanghai. Diese internationalen Spitzenspieler und ähnliche Kaliber, alle im besten Fußballeralter, kicken jetzt bei Guangzhou Evergrande, Jiangsu Suning, Greenland Shenghua und anderen kaum bekannten Vereinen. In China, einem Fußballentwicklungsland, das plötzlich ziemlich viel Geld in die Hand nimmt.

Seit kurzem rüstet der Fußball dort derart auf, dass der Fachwelt der Atem stockt. Schon im Februar herrschte Aufregung in Europa: allein die zweihöchste Spielklasse, die China League One, hatte mehr Geld für Spielertransfers ausgegeben als die 1. Bundesliga. Chinas Beletage hatte sogar fleißiger eingekauft als die englische Premier League, die bisher der Garant für immer neue Rekorde war. Auch diesen Sommer haben die chinesischen Topklubs für 325 Millionen Euro neue Spieler beschafft. Die Welt fragt sich: wie weit wollen die chinesischen Klubs gehen? Und warum tun sich einige der besten Spieler, die sich in einer stärkeren Liga noch weiterentwickeln könnten, so etwas an?

Die zweite Frage ist schnell beantwortet. Der Ex-Leverkusener Mittelfeldspieler Renato Augusto, der nach Beijing Buoang gewechselt ist und dafür wohl ein Angebot vom FC Schalke 04 ausschlug, sagte trocken, er habe sich China nicht ausgesucht, aber: „Als Spieler hast du zehn Jahre Zeit, Geld zu machen.“ Und das scheint teilweise auch die erste Frage aufzulösen. Um das nationale Fußballniveau schnellstmöglich auf ein international respektables Niveau zu heben, sind Chinas Klubs bereit, die Reichsten der Welt zu überbieten. Immerhin war auch der FC Liverpool an Alex Teixeira interessiert. Nun kickt der aber in China, vor halbvollen Zuschauerrängen, obwohl die Menschen doch so fußballverrückt sind. Noch passt alles nicht zusammen. Aber das soll werden.

Das Verhältnis der Chinesen zum Fußball ist ambivalent. Einerseits ist der Sport so beliebt wie sonst fast nichts. Das WM-Finale 2014 zwischen Deutschland und Argentinien sahen sich 100 Millionen Chinesen an. Der FC Bayern München ist in China eine so starke Marke, dass regelmäßig Millionen Menschen nachts für Bundesligaspiele vorm Fernseher hängen. Die Marketingabteilung des FC Bayern geht von einem Potenzial von 90 Millionen Fans aus.

Real Madrid ist noch beliebter. Und weil in China mit knapp 1,4 Milliarden Menschen viele tatsächliche oder mögliche Fans und Käufer von Merchandise leben, reisen europäische Topklubs regelmäßig in den Sommer- und Winterpausen in das riesige Land, um die Beliebtheit zu pflegen.

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