Fußball
DFB stellt Studie "Fußball unterm Hakenkreuz" vor

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat eine unabhängige Studie zum Thema "Fußball unterm Hakenkreuz" vorgestellt. Das Projekt arbeitet die Rolle des Verbandes zwischen 1933 und 1945 heraus.

In Zusammenarbeit mit Dr. Nils Havemann (Mainz) und Prof. Klaus Hildebrand (Bonn) hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seine Rolle während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland aufgearbeitet. Der Verband hat am Dienstag eine unabhängige Studie zum Thema "Fußball unterm Hakenkreuz" vorgestellt. "Sie verdeutlicht die enge Verflechtung zwischen Sport, Politik und Kommerz in der Zeit des Nationalsozialismus", sagte Autor Dr. Havemann, der zusammen mit Prof. Hildebrand im Juli 2001 vom DFB beauftragt worden war, die Geschichte des Verbandes im Dritten Reich zu erforschen.

Die Historie des DFB sei auf einer bislang nicht annähernd erreichten Quellenbasis so umfassend, abgewogen und kritisch wie möglich dargestellt worden, erklärte Hildebrand, der wissenschaftliche Leiter des Projektes. Autor Havemann zeige, "dass der DFB - wie andere Großorganisationen auch - im Ansehnlichen wie im Unansehnlichen, im Guten wie im Bösen untrennbar in die nationalsozialistische Diktatur verwoben war". Für die Studie wurde in mehr als 40 in- und ausländischen Archiven recherchiert.

Bundesinnenminister Otto Schily begrüßte die Arbeit: "Ich bin mir sicher, dass von dieser Studie neue Anregungen ausgehen, sich noch intensiver mit der Geschichte des Fußballs unterm Hakenkreuz zu beschäftigen." Auch mit Blick auf die WM 2006 im eigenen Land sah Schily Vorteile: "Die Ergebnisse werden uns helfen, wenn sich ausländische Gäste Fragen stellen, wie es damals hier ablief."

DFB-Präsident Zwanziger begrüßt Studie

"Ich bin froh, dass nun eine unabhängige Studie zur Vergangenheit unseres Verbandes vorliegt, die weder schönt noch in Bausch und Bogen verdammt", meinte der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger. "Für den DFB ist es jetzt wichtig, aus den Ergebnissen zu lernen und Folgerungen für die Zukunft zu ziehen."

In der Studie wurde die Rolle des DFB zwischen 1933 und 1945 herausgearbeitet. Der Verband, der sich 1933 in einer existenzbedrohnenden Krise befand, sei zunächst als Gewinner aus der Zeitenwende hervorgegangen, erklärte Havemann. "Hinter der anfänglichen Begeisterung für das nationalsozialistische Regime verbarg sich allerdings meist keine bestimmte Ideologie." Vielmehr habe für die Vereine, Funktionäre und Sportler zunächst die Einschätzung im Vordergrund gestanden, dass es nach 1933 in allen Bereichen rasant aufwärts zu gehen schien.

Nach 1935 habe die Begeisterung merklich abgenommen. Das NS-Regime mischte sich zunehmend in die Kompetenzen des Verbandes ein und löste ihn schrittweise auf. "Obwohl nur wenige von ihnen der Menschen verachtenden NS-Ideologie anhingen, trugen die meisten Mitglieder des DFB somit - zumeist aus Gedankenlosigkeit, willentlicher Ignoranz, Opportunismus oder beruflichem Ehrgeiz - zur Stabilität der nationalsozialistischen Herrschaft bei", so Havermann: "Wie so viele andere machten auch sie sich dadurch mitschuldig an Unterdrückung, Verfolgung, Krieg und Vernichtung."

Julius-Hirsch-Preis für Bayern München

Im Mittelpunkt weiterer Maßnahmen des DFB steht die Stiftung des Julius-Hirsch-Preises. Rekordmeister Bayern München ist erster Empfänger der mit 20 000 Euro dotierten Auszeichnung, die an den jüdischen Nationalspieler Julius Hirsch erinnert. Dieser wurde im Konzentrationslager von Auschwitz ermordet. Der Preis soll dem Double-Gewinner am 9. Dezember 2005 auf dem außerordentlichen DFB-Bundestag in Leipzig verliehen werden.

"Die Führung von Bayern München hat sich über Jahrzehnte hinweg dem antisemitischen Gift entgegengestellt. Das hält an bis in die heutige Zeit, was man an dem Junioren-Spiel zwischen einer jüdisch-palästinensischen Auswahl der Shimon-Peres-Stiftung und der U17 von Bayern München in der Allianz-Arena gesehen hat", sagte Zwanziger.

Der Namensgeber der Auszeichnung, der siebenmalige jüdische Nationalspieler Julius Hirsch, zählte zu den großen Stürmern seiner Zeit. "Juller", wie Hirsch gerufen wurde, wurde nach seinem von den Nationalsozialisten angeordneten Zwangsaustritt beim Karlsruher FV ins Konzentrationslager Auschwitz gebracht.

© SID

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