DFB-Teamchef Oliver Bierhoff
„Ich sehe keine Alternative zu ARD und ZDF“

Oliver Bierhoff macht sich dafür stark, Länderspiele langfristig beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu belassen. Im Interview spricht der Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zudem über die Vermarktungschancen der DFB-Auswahl, seine Konflikte mit den Bundesligisten, plädiert für mehr Offenheit gegenüber starken Investoren und fordert eine Gehaltsobergrenze.
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Seit Ihrem Start als Manager der Nationalmannschaft hat das Team sein Image messbar verbessert. Wie machen Sie Sponsoren glücklich?

Wir haben Typen in der Mannschaft, die auch nach außen eine positive Ausstrahlung haben. Auch damit hängt unmittelbar die Zufriedenheit unserer Sponsoren zusammen. Umfragen zeigen, dass die Nationalmannschaft die wichtigste und beliebteste Mannschaft Deutschlands ist. Das dürfen wir aber nicht durch Leichtfertigkeit oder Trägheit verspielen.

Wie wichtig ist der sportliche Erfolg? Haben Sie gezittert mit den Sponsoren, als es im Oktober zur WM-Qualifikation nach Moskau ging?

Natürlich waren wir angespannt. Welch wichtigen wirtschaftlichen Faktor wir auch für unsere Partner darstellen, wurde augenscheinlich als es um die Trikots ging. Adidas hat bei der WM vor vier Jahren 1,6 Millionen Trikots verkauft, bei der EM noch einmal knapp eine Million. Schon im September werden die Verkäufer angesprochen. Man kann ahnen, was es für Auswirkungen hat, wenn sich das Team mal nicht qualifiziert. Aber auch für den DFB ist eine Weltmeisterschaft ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Aus der vergangenen WM habe ich aus meinem Sonderhaushalt von 16 Millionen Euro sieben Millionen Euro erwirtschaftet. Bei der EM zwei Jahre später waren es 22 Millionen, da haben wir 6,5 Millionen erwirtschaftet. Es wäre ein Drama gewesen, hätte Deutschland die Qualifikation für Südafrika nicht geschafft – auch was das Image anbelangt.

Im Vereinsfußball sind Teile der Sponsorengelder schon leistungsabhängig. Auch beim DFB?

Wir haben mit den Sponsoren vereinbart, das anders zu regeln. Ich glaube, die Gegenleistung ist ja alleine schon deshalb da, weil wir eine gewisse Anzahl von Länderspielen haben. Wir waren sehr erfolgreich in den vergangenen Jahren – und bei einer Erfolgskomponente müsste es eben auch schnell nach oben gehen können.

Der Filmemacher Sönke Wortmann durfte 2006 mit in Kabine, bei der Handball-WM hat RTL viel von den Spielern persönlich gezeigt. Wo ist da die Grenze erreicht?

Das war schon eine sehr große Nähe, die wir den Filmemachern 2006 gewährten. Es war mein Interesse, die Spieler auch als Menschen zu zeigen. Es sollte auch immer wieder Mittel und Wege geben, wie wir dies weiter ausbauen können. Zum Beispiel mit einer in das DFB-Angebot integrierten Website, auf der wir von Januar an unseren Fans nicht nur News-Wert und Informationen rund um das Team bieten werden, sondern auch die Spieler präsentieren. Eine gewisse Distanz - gerade aufgrund des enormen Mediendrucks - wird es immer geben. Und ich denke, Distanz ist auch für beide Seiten gut.

Wie vermeiden Sie Interessenskonflikte? Sieht es Audi gerne, wenn Bayern-Spieler im Nationalmannschaftsdress bei Mercedes rumhopsen?

Das ist ein Spagat. Natürlich wollen unsere Partner die Protagonisten haben, wenn möglich immer nur drei oder vier. Aber wir achten darauf, dass wir ganz klar den Eindruck der Mannschaft erwecken. Es müssen immer mindestens sechs bis sieben Spieler auf einem Bild sein. Wenn Mercedes unser Partner ist, sitzt gerade der wichtigste Spieler der Bayern, die Audi als Partner haben, jetzt nicht in vorderster Front. Für mich ist es eine schwierige Aufgabe, die verschiedenen Rechteinhaber zufrieden zu stellen. Wir haben zum Beispiel Coca-Cola als Partner, Michael Ballack hat gerade einen Pepsi-Vertrag unterschrieben. Da sind wir auch immer etwas auf den Goodwill des Spielers angewiesen. Natürlich versuchen wir, Rücksicht zu nehmen auf Sponsoren der Vereine und die privaten Verträge der Spieler.

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  • klar mit der cash cow zwangsgebühr GEZ im rücken,
    kann man gut leben! auch in finanziellen krisenzeiten

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