DFB-Teammanager
Bierhoff mit neuer Rolle glücklich

Oliver Bierhoff ist als DFB-Teammanager offensichtlich zum Feindbild der Bundesligsten geworden. Der "Sunnyboy" kommt mit der Rolle aber offensichtlich gut klar. "Als Manager der Nationalmannschaft ist es nun mal meine Aufgabe, unsere Interessen zu vertreten. Dass man nicht immer einer Meinung ist, liegt in der Natur der Sache", sagte der ehemalige Kapitän der DFB-Auswahl im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) gelassen.

Dass ihn Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge als "Ich-AG vom Starnberger See" bezeichnete, ist für ihn ebenso Schnee von gestern wie despektierliche Aussagen seines ehemaligen Trainers Rudi Völler. "Die Philosophie für den Spieler Oliver Bierhoff, die musste noch erfunden werden. Brasilianische Spielweise einfordern mit Füßen aus Malta, das geht eben nicht", hatte der ehemalige DFB-Teamchef gesagt und Bierhoff damit der Lächerlichkeit preisgegeben.

Bierhoff misst solchen Äußerungen keine große Bedeutung zu und stellt lieber die positiven Dinge heraus: "Im Großen und Ganzen gibt es eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen der Nationalmannschaft und den Klubs.

Auch bei der EM gab es bislang noch keine negativen Kommentare über meine Person aus der Bundesliga. Zumeist handelt es sich um alte Kamellen, die hin und wieder rausgeholt werden", erklärte der 40-Jährige und weist auf seine guten Kontakte hin: "Ich habe mit Uli Hoeneß telefoniert, mit Klaus Allofs pflege ich ein gutes Verhältnis. Zudem hat mir Heribert Bruchhagen dieser Tage noch ausrichten lassen, dass das Verhältnis zur Bundesliga und DFL gut sei. Bis auf die Geschichte mit Rudi Völler gab es doch in vergangenen Saison keine Probleme."

"Es ist schwer, Personalentscheidungen zu treffen"

Auch die hinter vorgehaltener Hand immer wieder mal geäußerten Vorwürfe, dass Bierhoff die Interessen seiner Agentur "projekt b" mit denen der Nationalmannschaft vermenge, weist der 70-malige Nationalspieler zurück: "Ich habe es nicht mehr nötig, mich wegen solcher haltlosen Vorwürfe zu rechtfertigen. Solche Sachen kommen immer wieder hoch, wenn einem sachliche Argumente ausgehen. Dann werden emotionale Dinge ins Spiel gebracht, die jeder Grundlage entbehren." Sein Partner und Mitgesellschafter Marc Kosicke fügte hinzu: "Eine Zusammenarbeit mit Spielern des DFB gibt es nicht, weil es dann zu Interessenkonflikten käme. Deshalb ist so etwas für uns ausgeschlossen."

Dass in Holger Stromberg ausgerechnet ein Sterne-Koch zur Nationalmannschaft geholt wurde, in dessen Restaurant Bierhoff auch gerne privat zu Gast ist, hätte nichts mit Kungelei zu tun. Der Manager gab aber zu, dass es ihm schwer gefallen sei, dem früheren DFB-Küchenchef Saverio Pugliese diese Entscheidung mitzuteilen.

"Es ist immer schwer, wenn man Personalentscheidungen treffen und diese dann den betroffenen Personen mitteilen muss. Das war auch so zu Beginn meiner Tätigkeit, als wir im Umfeld der Nationalmannschaft einige Veränderungen vorgenommen haben", sagte Bierhoff über die Schattenseiten seines Jobs.

"2009 werde ich sehen, wohin die Reise geht"

Bierhoff räumte aber ein, dass ihn die vergangenen vier Jahre verändert haben: "Natürlich nehme ich jetzt eine andere Rolle wahr als früher. Das bringt zwangsläufig auch Veränderungen mit sich. Als Spieler denkt man überwiegend an sich, ist viel egoistischer. Jetzt muss ich die Interessen der Mannschaft in den Vordergrund stellen. Die Nationalmannschaft ist Deutschlands liebstes Kind, und deshalb stehe ich als Entscheidungsträger bei der DFB-Auswahl auch besonders im Fokus der Öffentlichkeit. Da ist es völlig normal, dass es hin und wieder auch mal zu Konflikten kommt. Da muss man auch einmal unbequeme Sachen ansprechen."

Die Arbeit mache ihm aber nach wie vor großen Spaß, daran hätten auch die spielerischen Rückschläge gegen Kroatien und Österreich nichts geändert: "Ich hatte auch nach diesem Spiel keine Zweifel. Und die Zeiten, wo nach nur einem negativen Ergebnis ein ganzes Konzept über den Haufen geworfen und alles in Frage gestellt wird, sind zum Glück vorbei. Man kann über Auswechslungen diskutieren oder über die Kader-Zusammensetzung - aber nicht über die Philosophie oder das Gesamtkonzept."

Diese Extremsituationen im Fußball würden ihm zudem einen besonderen Kick verleihen: "Dieser Stress und Druck sind angenehm. Sie fordern mich bis an die Grenzen."

Nach der Bergtour 2008 will Bierhoff auch die Weichen für das nächste Abenteuer stellen: "Die WM in Südafrika wird ein tolles Ereignis, und es ist eine große Herausforderung für mich, sie von Deutschland aus zu planen - vorausgesetzt wir qualifizieren uns. Weiter als 2010 denke ich aber noch nicht. Ende 2009 werde ich in mich hineinhorchen und sehen, wohin die Reise geht."

© SID

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