EM-Casting mit Hindernissen
Jogi sucht das Superteam

Nach dem Testspiel der deutschen Nationalmannschaft am Dienstag gegen Weißrussland endet ein zwei Jahre währendes Casting. Dann wird Bundestrainer Joachim Löw bekanntgeben, welche 23 Spieler bei der EM antreten. Drei Spieler muss er noch aussortieren – und seine Streichliste ist länger, als ihm lieb sein kann.

SON VIDA. Der Betreuerstab der deutschen Nationalelf ist so groß, dass sich daraus problemlos zwei Mannschaften rekrutieren ließen. Fitnesstrainer, Physiotherapeuten, Köche, ein Wunderheiler und ein Psychologe arbeiten rund um die Uhr für Deutschlands Elitekicker. Nur ein Zahnarzt fehlt im Tross der DFB.

Mit Schmerz stillenden Spritzen versuchte Joachim Löw seit Tagen, seine Zahnschmerzen zu unterdrücken. Vergeblich, bei der Abschlusspressekonferenz vor dem Testspiel gegen Weißrussland ließ er sich gestern entschuldigen. „Also ich möchte nicht in seiner Haut stecken“, sagte Miroslav Klose, der den Bundestrainer auf dem Podium vertrat.

Klose meinte nicht nur die Backenzähne – sondern auch die Entscheidung, die Löw bis spätestens morgen 12.00 Uhr zu treffen hat. Dann muss sein zwei Jahre währendes Casting ein Ende finden, dann muss er der Uefa melden, welche 23 Spieler für Deutschland bei der EM antreten. Und welche drei nach dem Spiel in Kaiserslautern mit der Mannschaft zurück nach Mallorca fliegen, um morgen Vormittag „stilvoll verabschiedet“ (Löw) zu werden.

23 aus 26, darüber zerbricht er sich den Kopf. Dass er die Entscheidung hätte leichter fällen können, wenn er von vornherein nur 23 Spieler mit auf die Insel genommen hätte, diesen Vorwurf muss er sich ebenso gefallen lassen wie jenen, dass er heute Abend im Fritz-Walter-Stadion eines von nur zwei Testspielen nun dafür verschwenden muss, die Streichkandidaten wenigstens einmal unter Wettkampfbedingungen testen zu können. Das Fifa-Kontingent von sechs Auswechselspielern gedenke er deshalb auszuschöpfen, sagte Löw. Das Einspielen der Mannschaft muss er damit auf das letzte Testspiel vor der EM am Samstag gegen Serbien verschieben.

Zudem ist Löw aufgrund von verletzungs- und krankheitsbedingten Ausfällen gezwungen, seine Auswahl völlig neu zu überdenken. Die Liste potenzieller Streichkandidaten dürfte sich erweitert haben. Standen vor einer Woche lediglich die Mittelfeldspieler Jermaine Jones, Piotr Trochowski und David Odonkor sowie die Stürmer Patrick Helmes und Oliver Neuville zur Debatte, hat Löw nun womöglich weitere Namen ergänzen müssen.

So hat Tim Borowski, der in dieser Saison ohnehin nur 21 Spiele absolvieren konnte, wegen eines grippalen Effekts nicht eine Trainingseinheit im Stadion Son Moix mitmachen können. Arne Friedrich plagen seit Tagen Magen-Darm-Probleme, Mario Gomez laboriert noch immer an seiner Wadenverletzung und René Adler hat sich das Becken geprellt. Alle vier flogen gestern nicht mit nach Kaiserslautern und bleiben derweil in Son Vida. „Wir werden uns vor unserer Entscheidung noch einmal intensiv mit unserer medizinischen Abteilung beraten“, kündigte Löw-Assistent Hans-Dieter Flick an.

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