FC Bayern München
Die Zeit der Ausreden ist vorbei

Trainer Louis van Gaal stellt nach dem schlechtesten Saisonstart des FC Bayern München zwei Bücher vor. Präsident Uli Hoeneß mahnt, dass bald die Trendwende kommen muss.

Louis van Gaal hätte sich in der Tat einen geeigneteren Tag aussuchen können. Bayern München rätselt über den schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte, und der Trainer stellt zwei Bücher vor. Eines heißt "Biographie" und schildert, wie könnte es anders sein, das bisherige Leben und Wirken des Louis van Gaal. Das andere trägt den Titel "Visionen", und darin legt der Niederländer seine Auffassung vom Fußball dar, seine Philosophie. "Es hätte", sagte Bayern Münchens Mediendirektor Markus Hörwick gleich mal vorab, "sicher bessere Zeitpunkte für eine Buchpräsentation gegeben."

Angesichts von 13 Punkten Rückstand auf Tabellenführer FSV Mainz 05 in der Bundesliga wäre es allerdings gut, eine Vision zu haben, eine Idee, wie die sportliche Misere überwunden werden kann. Van Gaal glaubt zu wissen, dass der FC Bayern derzeit "in einem neuen Prozess mit vielen Einflüssen" steckt. "Wir müssen zusammenarbeiten, um aus dieser Periode herauszukommen", sagt er fast beschwörend, alle müssten "an einem Strang ziehen", und "natürlich", ergänzt er, glaube er auch daran, dass der Rekordmeister seinen derzeitigen Rückstand aufholen könne. "Aber das ist nicht einfach", betont er gleichzeitig.

Den Glauben hat auch Uli Hoeneß noch nicht verloren, der gemeinsam mit dem Vorstand des FC Bayern in der ersten Reihe sitzt, als van Gaal kurz über die aktuelle Lage der Münchner redet - und dann über seine Bücher. Der Präsident hört, dass der Trainer wieder mal die Nachwirkungen der WM als Grund für die aktuellen Schwierigkeiten auflistet, dazu die vielen Verletzten. Doch Hoeneß mag es nicht mehr hören. "Ausreden darf es nicht mehr geben", sagt er nach der Veranstaltung. Bis Weihnachten, behauptet er, werde der FC Bayern wieder bis auf "fünf, sechs, sieben Punkte" an Mainz dran sein - und dann ...!

Die sogenannten Ausreden lassen aber auch den Schluss zu, dass van Gaal derzeit ein wenig Mühe hat, seine Spieler "wieder auf den Pfad der Tugend" zu führen, wie Hoeneß das nennt. "Wir müssen es wieder schaffen, an einem Strang zu ziehen", sagt van Gaal ein weiteres Mal und lässt die Spieler wissen: "Sie müssen arbeiten dafür." Zu den Umständen, die die Leistung seiner Mannschaft beeinflussen, gehörten neben "der WM und den Erfolgen der vergangenen Saison" auch andere, erklärt van Gaal: "Eine neue Freundin, oder ein Kind, das geboren wird - das hat alles Einfluss." Und offenbar nicht immer den besten.

Ansonsten wirkt der Trainer durchaus aufgeräumt in der Plauderstunde mit Moderatorin Kathrin Müller-Hohenstein. Mit Frauen, erklärt van Gaal, könne er eben besser - mit den Bossen des FC Bayern dagegen hat er bisweilen schon so seine Probleme. In einer Passage des Buches beschreibt er, dass es ihm nicht gerade gefällt, wenn "Kaiser" Franz Beckenbauer Meinungsäußerungen über den Klub vom Rang einer "göttlichen Offenbarung" von sich gibt, dass es außerdem sehr gewöhnungsbedürftig sei, dass sich Hoeneß oder Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gerne ins Tagesgeschäft einmischen.

Spieler beim FC Bayern, schildert van Gaal, würden "immer ein offenes Ohr" im Klub finden, und "leider", ergänzt er, "muss ich das als Kultur des Klubs hinnehmen". Die Verantwortlichen des Klubs, die da geschlossen in der ersten Reihe sitzen, zucken ein wenig zusammen, als der Trainer dies sagt. Van Gaal, der Freund offener und ehrlicher Worte, ergänzt, er habe Verständnis für seine Vorgesetzten, "logisch, sie sind alle Ex-Spitzenprofis". Doch das, was er als Einmischung ansieht, "passt nicht", bemängelt er: "Das kostet Energie, nicht nur für mich, auch für diese Menschen."

Da mag auch Hoeneß nicht widersprechen. "Er hat das schon so beschrieben, wie es ist", berichtet der Präsident. Aber "grundsätzlich", und das will er schon noch loswerden, "ist es wichtig, dass man seine Meinung austauscht." Was angesichts von van Gaals Biografie und seinen Visionen aber mit Sicherheit auch in Zukunft zu der einen oder anderen Meinungsverschiedenheit führen wird.

© SID

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