FC Bayern
Und noch eine Trophäe für Uli Hoeneß

Mitten im Trubel um die Klinsmann-Entlassung bekommt Uli Hoeneß einen Preis für professionelle Markenführung – und demonstriert gelassene Coolness. Wie der Bayern-Manager am hektischen Montag eine Auszeichnung bekam.

KÖLN. Das war kein gewöhnlicher Montag: Arnold Hermanns war mit einer golden gerahmten Urkunde auf dem Weg zum FC Bayern München, als er im Autoradio die Eilmeldung in den Elf-Uhr-Nachrichten hörte. Klinsmann weg. „Ehrlich gesagt: Bei dem Theater dachte ich, dass mein Termin geplatzt ist“, sagt Hermanns. Der Sponsoring-Professor sollte sich noch wundern.

Uli Hoeneß dachte nicht daran, sich die kleine Feierstunde nehmen zu lassen, bloß weil da unten praktisch zeitgleich Jürgen Klinsmann final die Tiefgarage verlässt. „Herr Klinsmann fuhr gerade raus, als ich in der Säbener Straße ankam“, sagt Hermanns. Kameras klickten, Reporter kämpften mit Körpereinsatz um Vermeldbares, die elektrisch gesicherten Türen des Klubhauses blieben dicht – nur nicht für den Mann mit der Urkunde. „Der Hausfotograf sagte, es sei schon alles in Ordnung und führte mich durch die versammelte Menge hinein. Der Herr Hoeneß nimmt sich Zeit.“

Ehrensache: Schließlich hatte der Fachverband Sponsoring (Faspo) den Vereinsmanager in seine „Hall of Fame“ aufgenommen – für „die erste professionelle Markenführung eines Fußballvereins in Deutschland“, so die Jury. Die Urkunde schmeichelt: Hoeneß sei „die Seele des FC Bayern“. Er fühle sich „dem seriösen Wirtschaften und den traditionellen Werten des Fußballs verpflichtet“. Er sei „zuweilen provokativ, aber herzlich“. So etwas in Empfang zu nehmen ist Chefsache. Auch an einem solchen Tag, auch nach einer schlaflosen Nacht.

Es war 11.32 Uhr, als Faspo-Beirat Hermanns das Papier dem Geehrten in dessen Büro überreichen durfte. Händedruck, Lächeln, Foto. „Drumherum war es etwas hektisch“, erinnert sich der Sponsoring-Professor, der bis vor kurzem an der Bundeswehrhochschule München gelehrt hat. Für 14 Uhr war eine Pressekonferenz zur Klinsmann-Demission angesetzt worden. „Herr Hoeneß hat sich entschuldigt für den großen Auftrieb, er war sehr nett und höflich“, sagt der Glücksbote. „Mitten im Trubel machte er einen ganz entspannten Eindruck.“ Auch Paul Breitner und der neue Co-Trainer Hermann Gerland waren zur Lobpreisung im Raum. Viel Zeit für Smalltalk sei leider nicht geblieben. Auch der Spickzettel kam nicht zum Einsatz.

„Bei keinem deutschen Klub können sich Sponsoren so gewiss sein, national und international immer auf höchstem Niveau präsent zu sein“, lobt die Jury. Sponsoring-Experten mutmaßen, dass der Klinsmann-Rauswurf nicht zuletzt mit Blick auf die nervösen Financiers geschehen sein könnte – denn nur die Champions League sichert dem Rekordmeister und seinen Werbepartnern die geldwerte Sichtbarkeit.

Ein Knicks vor den Sponsoren zur rechten Zeit – Hoeneß hätte wohl keinen besseren Lebendbeweis antreten können, dass er der „Faspo Hall of Fame“ würdig ist. Jener Halle, in der sich schon seit 2006 Franz Beckenbauer sonnt – für besondere Verdienste in der Reklame. Mit seinen frühen Spots für „Knorr Kraftbrühe“ hatte der Kaiser die Tür für sich und andere Sportler in der Testimonial-Werbung weit aufgestoßen. Am Rande: Zur seiner Preisverleihung konnte der Kaiser seinerzeit leider nicht kommen – Termine.

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